Vor zwei Wochen war ich vom ZDF nach Mainz eingeladen worden, um dort mit den Online-Verantwortlichen zu diskutieren und eine Art Webseiten-Kritik zu machen. Die Einladung hab ich gerne angenommen, weil ich so viele Punkte, die mich immer störten, direkt vor Ort kommunizieren konnte. Vor meiner kleinen Reise hatte ich hier noch Feedback eingeholt und konnte die vielen diskutierten Punkte mitnehmen. Voneweg: Die Diskussion hier im Blog wurde aufmerksam gelesen. Und das ZDF ist immer noch ein Fernsehsender. Konkret ging es um den Onlineauftritt von heute.de, der Mediathek und wahl.zdf.de, das Angebot zur Bundestagswahl.
Meine Verbesserungswünsche und Kritik waren demnach in drei Kategorien aufgeteilt.
Mediathek & co.
Generell gilt für alle Angebote: Flash dominiert und das macht es nicht nur Linux-Nutzern oftmals schwer. Manche Angebote sind dadurch auch nicht barrierefrei und wer Flash aus ideologischen Gründen (Proprietär und nicht offen) nicht nutzt, wird oftmals ausgeschlossen. Hier wurde mir eine Flash-freie Seite mit h264 versprochen. OGG Theora wäre zwar schöner, aber das ist schonmal besser als nichts. HTML5 und die neuen Möglichkeiten werden auch gut beobachtet. Die Rechtefrage ist eine unendliche Geschichte. Meiner Meinung nach sollten alle vom ZDF produzierten Inhalte unter freien Lizenzen stehen, denn immerhin haben wir die Erstellung mit unseren Gebühren bezahlt. Stattdessen verstauben viele Inhalte in den Archiven und aktuelle Inhalte müssen oftmals nach sieben Tage aus dem Netz (Ausnahmen bestätigen die Regel). Dies liegt teilweise an schlechten Rundfunkänderungsstaatsverträgen, teilweise an komplizierten Unterschieden im Senderecht (Die für den normalen Zuschauer kaum nachvollziehbar sind). Mir war es bis zu meinem Besuch auch nicht klar, warum das ZDF vieles nicht online stellen kann, dafür aber Zattoo z.B. alles live streamt. Die Rechtsabteilung war leider nicht anwesend, aber bei der Entwicklungs- und Onlineabteilung des ZDF sind meine Wünsche nach mehr Creative Commons Lizenzen aber angekommen. Zur aktuell abgelaufenen Konsultation über den 3‑Stufen Test zum Rundfunkänderungsstaatsvertrag hab ich die Info bekommen, dass es viel Beteiligung aus dem Netz gab. Anscheinend hat unser Aufruf viele motiviert, ihre eigenen Wünsche einzusenden. Das freut nicht nur mich.
Was mich wunderte, waren die kaum vorhandenen Podcasts im ZDF-Angebot. Zwar ist es für technisch versierte Menschen möglich, aus allen Inhalten der Mediathek einen Podcast zu erstellen. Der breiten Masse ist dies aber nicht möglich. Hier hätte ich gerne mehr. Wann es einen Live-Stream auf zdf.de gibt und wann nicht, ist mir auch nicht ganz klar gewesen. In diesem und anderen Punkten wurde Verbesserung und mehr Transparenz versprochen. Ein weiteres Beispiel: z.B. wusste ich nicht, dass es eine mobile Version von heute.zdf.de gibt. Ich hatte sie auch nicht gefunden, was aber eher ein Usability-Problem war.
Viele Wünsche für ein zeitgemässes Angebot fliessen vielleicht schon in die nächste Version der mediathek, die diesen herbst kommen soll. Dazu zählen Playlisten oder eine Embedd-Funktion der Mediathek-Inhalte. Für eine offene API ist es wohl noch zu früh. Seit dem Besuch weiß ich auch, warum heute und Tagesschau immer erst so spät nach Ausstrahlung online kommen. Da diese in der Regel live ausgestrahlt werden, muss erstmal alles mitgeschnitten, encodiert und dann online gestellt werden. Hätte ich mir denken können, hab ich aber nicht dran gedacht. Ein weiterer Wunsch waren Transcripte aller Videos zur besseren Auffindbarkeit über Suchmaschinen. Das scheitert aber an zu wenig Personal. Vielleicht kann man das ja mal irgendwann Maschinen machen lassen.
Heute.de
heute.de ist die Webseite zur Sendung. Und ich muss zugeben: Bisher hatte ich sie nicht in meinem RSS-Reader und war trotzdem glücklich. Dabei bietet die Seite mehr RSS-Feeds als viele anderen Seiten. (Leider nicht als Full-Feed, das wäre mal eine Revolution!) Hier wäre eine bessere Personalisierbarkeit praktisch, damit man nicht auf Yahoo Pipes oder dergleichen zurückgreifen muss. Die Seite wirkt übersichtlich, aber es gibt kaum Links nach draussen. Die Texte wirken auch alle, als ob eine eine Zeichenbegrenzung auf 3000 Zeichen im CMS gibt. Sie sind eher kurz. Überhaupt gibt es wenig Möglichkeiten zur Individualisierung, was aber derzeit kaum Medien-Webseiten anbieten. Aber die Zukunft wird uns da mehr bringen. Ebenso fehlen mir soziale Features wie Social-Filtering oder das Bewerten von Beiträgen. bei tagesschau.de gefällt mir auch das blog.tagesschau.de, womit manchmal ein Blick hinter die Kulissen möglich ist. Warum gibt es sowas nicht auch vom ZDF? In Social Networks war das ZDF bisher noch nicht aktiv, aber auch das soll verändert werden. Ich geb heute.de aber mal eine Chance im RSS-Reader. Mal schauen, ob es mir einen Mehrwert bringt.
Wahl.zdf.de
wahl.zdf.de ist das Sonderangebot zur Bundestagswahl. Die vielen Projekte gefallen mir teilweise ganz gut. Nur laden sie kaum zur Wiederkehr ein. Es bleibt das Gefühl, ein Stück Fernsehen vor sich zu haben, das man mal einschaltet, anschaut und dann fertig ist. Das Angebot ist fast nur mit Flash anschaubar. Bei OpenReichstag war ich anfangs sehr skeptisch, aber mittlerweile gibt es einiges an interessantem Material von den Nutzern (Von den Politiker wie erwartet kommt nicht viel interessantes). Nur geht das leider in der Masse an langweiligen Beiträgen unter. Hier sind aber die technischen Möglichkeiten von Youtube eher die Bremse für ausgefeilte soziale Mechanismen zur Filterung. Sehr gut gefällt mir das Parlameter. Hier werden Abstimmungen im Bundestag visualisiert und ich kann mir z.B. anschauen, welche weiblichen Abgeordneten ohne Kinder und über 40 für die Vorratsdatenspeicherung gestimmt haben. Diese Daten liegen auch alle in einer Rohfassung auf Bundestag.de, aber das ZDF hat sie durch einen Dienstleister veredelt und in das Angebot integriert. Ich habs leider nicht geschafft, die dafür verantwortliche Mitarbeiterin zu überzeugen, die Daten einfach frei zu geben. Dabei wäre das doch viele Zwecke einsetzbar. Und dem ZDF würde das sicherlich kaum Arbeit machen, wenn man z.B. nur Excel/OOCalc Dateien mit den Daten zur Weiterverwendung in Wissenschaft und Blogs veröffentlicht.
Es gibt sicherlich noch viel mehr zu erzählen, aber die Diskussion unter meinem Feedback-Aufruf liefert noch viele weitere Punkte, die ich angesprochen habe. Es hat mich gefreut, vom ZDF eingeladen worden zu sein und mir mal das ZDF-Gelände in Mainz inklusive dem neuen Studio anschauen zu können. Ich bin gespannt auf die nächste Version der Mediathek und hoffe, dass viele von mir genannten Punkte aufgenommen werden.
Geld gab es übrigens nicht, nur die Fahrtkosten wurden erstattet. Ich sah mich da aber vor allem als eine Art Vertreter von Nutzerinteressen und weniger als Berater.