Seit ein paar Tage überlege ich, ob ich etwas zur Idee einer Hamburger Werbeagentur schreiben soll, die eine – auf den ersten Blick – total halbwegs clevere Idee im Kampf gegen Kinderpornographie zu haben glaubt:
No-Kids.org beinhaltet einen integrierten Tauschbörsen-Client (ein Programm, das jeder Tauschbörsennutzer benötigt, um am Dateienaustausch teilzunehmen). Jedes Mal, wenn ein User No-Kids.org aufruft, verbindet sich die Website mit der Tauschbörse. … Jeder Computer, auf dem No-Kids.org gestartet wurde, dockt sich automatisch an eines dieser Netzwerke an. Und täuscht dann vor, exakt die Datei zu haben, nach der Kinderporno-Konsumenten suchen.
Vereinfacht gesagt, will man p2p-Netzwerke mit Warnhinweisen überschwemmen. Und zwar durch gefakte Dateien und Prüfsummen [1].
Ich habe nichts geschrieben. Warum, kann man heute bei Udo Vetter nachlesen:
Wer also bei der Aktion mitmacht, gibt sich als Tauschbörsennutzer aus, der kinderpornografische Dateien im Angebot hat. Nach Angaben der Betreiber werden bis zu 200 verschiedene Dateinamen mit verschiedenen Endungen und Hash-Werten erstellt. Die Aktion nennt selbst zum Beispiel einen Dateinamen, der zum “Angebot” zählt:
2yo old girl raped by dad.mpg
Jeder Teilnehmer sollte sich klarmachen, dass er derart betitelte Dateien unter seiner IP-Adresse anbietet – wenn die Angaben der Seitenbetreiber stimmen. Wortreich wird zwar darauf hingewiesen, in den Dateien seien selbstverständlich keine Kinderpornos, sondern ein Hilfsangebot. Die Verwendung bestimmter Dateinamen sei nicht strafbar. Die Verwendung von No-kids.org sei “vollkommen unbedenklich”.
Letztere Aussage ist schlicht falsch. Für keine Ermittlungsbehörde (weltweit!) dürfte erkennbar sein, dass ausgerechnet dieses Angebot über die Seite No-kids.org generiert wurde. Und ich würde mich auch nicht darauf verlassen, dass die Polizei jede Datei tatsächlich überprüft. Tatsächlich checken die verwendeten Scan-Programme, zum Beispiel beim Bundeskriminalamt, regelmäßig nur Hashwerte; auf den tatsächlichen Download wird meist verzichtet. […]
Darüber hinaus gibt es noch ein paar weitere Kritikpunkte: Die Webseite liefert „szenetypische“ Suchbegriffe, (noch) kein OpenSource …
Lange Rede, kurzer Sinn: Bis auf Weiteres Finger weg!
[1] Ja, Prüfsummen zu fälschen, macht in den meisten p2p-Systemen nur wenig Sinn. In der Regel dürften die „defekten“ Datenpakete erkannt und aussortiert werden. Offen ist zur Zeit noch die Frage, ob das System eigene Hashwerte erzeugt (anzunehmen) oder die realer KiPo-Dateien übernimmt (ich will es nicht hoffen).