Protokoll der „Arbeitsgruppe Access Blocking“
von markus um 15:49 am Dienstag, 17. Februar 2009 | 24 Kommentare
Am Freitag hat sich im Bundesfamilienministerium die „Arbeitsgruppe Access Blocking“ getroffen, um Möglichkeiten der Internet-Zensur in Deutschland zu diskutieren. Alvar Freude hat von einem Teilnehmer ein Protokoll zugeschickt bekommen:
Am Freitag hat im Bundesfamilienministerium wieder die “Arbeitsgruppe ‘Access Blocking’” getagt. Auf der Agenda stand die Diskussion über den Entwurf einer “freiwilligen” Vereinbarung, den das BMFSFJ am Mittwoch Abend verteilt hatte und der am Freitag vom CCC veröffentlicht wurde (und übrigens a) als Entwurf und b) nicht als vertraulich gekennzeichnet war).
Als Providervertreter zu Beginn des Termins den potenziellen Eingriff in das Grundrecht des Telekommunikationsheimnisses ansprachen, versuchte die in der AG federführende Vertreterin des BMFSFJ, Frau Dr. Annette Niederfranke, eine entsprechende Diskussion zu unterbinden, was die Provider ablehnten. Der Vertreter des Referats Grundsatzfragen des Bundesministeriums des Inneren vertrat die Rechtsauffassung, dass der Abruf von Webseiten generell nicht dem Grundrecht des Telekommunikationsheimnisses nach Art. 10 Abs. 1 des Grundgesetzes unterliege. Demzufolge sei auch § 88 TKG nicht einschlägig. Anwesende bezeichneten diese Ausführungen als “unterirdisch”.
Als Ergebnis erteilte die Arbeitsgruppe dem BMI den Auftrag, ein Gutachten zu erstellen, das sowohl einen möglichen Eingriff in das TK-Geheimnis durch entsprechende Maßnahmen als auch dessen Abdingabrkeit durch AGB-Änderungen evaluieren soll.
In der anschließenden Diskussion äußerten die Provider Kritik an nahezu allen Punkten des vorliegenden Vertragsentwurfs. Besonders kritisch wurde der Vorschlag angesehen, Mittels einer AGB-Änderung das Telekommunikationsgeheimnis einzuschränken (gleichzeitig wunderten sich Provider, warum denn eine solche Regelung notwendig sei, wenn doch laut BMI das Fernmeldegeheimnis nicht berührt sei…). Als weiteres Problem in diesem Zusammenhang wurde angesprochen, dass eine AGB-Änderung für Bestandskunden zustimmungspflichtig wäre. Im Falle eines Widerspruchs müssten die Provider entweder für beide Kundengruppen getrennte DNS-Infrastrukturen vorhalten, oder aber die “widerspenstigen” Kunden kündigen – eine Variante, für die sich nur Vodafone klar aussprach.
Schließlich wurde heftig über den geplanten “Stopp-Server” diskutiert. Auf diesen Web-Server sollen per DNS-Umleitung alle Anfragen umgeleitet werden, die auf Domains, die Bestandteil der “Sperrliste” des BKA sind, zielen. Die Provider würden diesen Server am liebsten beim Bundeskriminalamt sehen, das in jedem Fall für die inhaltliche Gestaltung verantwortlich sein soll. Das BKA sieht hierbei jedoch ein “Akzeptanzproblem”: Das Amt möchte explizit keine Logfiles (und damit Referrer oder IP-Adressen von Nutzern) speichern (und gäbe damit natürlich eine Möglichkeit zur Täterermittlung und Strafverfolgung aus der Hand). Nun wird nach einem “vertrauenswürdigen Dritten” gesucht, der eine solche Seite betreuen könnte. Vodafone beteiligte sich an der Diskussion nicht, wollte sich aber die Möglichkeit von “individuellen Zusatzvereinbarungen” zu einem entsprechenden Vertrag offen halten.
Aufgrund der Vielzahl der geäußerten Bedenken bat das BMFSFJ die Provider, nun den Vertragsentwurf in einer eigenen Arbeitsgruppe bis kommenden Donnerstag zu überarbeiten und dann mit einem neuen Entwurf in das nächste Meeting der AG Access Blocking am kommenden Freitag, 20.02. zu gehen.
Alvar berichtet auch, dass von Providerseite nur Vodafone / Arcor ein Befürworter der Filter-Massnahmen ist:
Vodafone/Arcor ist (nach meinem Kenntnisstand) der einzige Provider, der die Pläne von Ursula von der Leyen offen unterstützt – nach entsprechenden Berichten hat sich deren Direktor Unternehmenskommunikation und Politik Thomas Ellerbeck für die Pläne aus dem Familienmonisterium eingesetzt. Dabei ist interessant, dass er durchaus mit der Politik verdrahtet ist – als ehemaliger Leiter der Pressestelle der Staatskanzlei von Mecklenburg-Vorpommern und stellvertrenender Sprecher von Roman Herzog gibt es hier sicherlich diverse Kontakte.
Vielleicht liegt der Einsatz für Filter bei Vodafone aber auch daran, dass man den in Großbritannien genutzten Filter weiterverkaufen möchte? In Tschechien ist er schon im Einsatz: dort filtert Vodafone das, was sie als Kinderpornografie ansehen. Wieso aber nicht nur vollkommen unverdächtige Technik-Webseiten und Tipps wie Studenten bei Vodafone Geld sparen können auf den Sperrlichen landet, das bleibt wohl das Geheimnis von Vodafone …
getaggt mit: Bundesregierung > Deutschland > Digital Rights > kinderpornographie > netzzensur > Zensur
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Kommentare
24 Kommentare zu “Protokoll der „Arbeitsgruppe Access Blocking“”
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Feb 17th, 2009 @ 17:40
Danke für das Protokoll. So kommt etwas Leben und Licht in die “anonymen” Treffen. Das was man in den Massenmedienließt ist ja eher lächerlich.
Feb 17th, 2009 @ 17:41
Sehr interessant das Vodafone so ganz alleine dasteht, die Verbindung in die Politik ist recht offensichtlich, sowie die Eigeninteressen… unliebsame Inhalte zu sperren. Ich wußte gar nicht das Vodafone so zu PR-GAUe neigt. ;O)
Feb 17th, 2009 @ 17:49
[...] ODEM.blog und Netzpolitik.org berichten ist die Arbeitsgruppe ‘Access Blocking’ erneut [...]
Feb 17th, 2009 @ 17:54
vertrauenswürdiger dritter für “Stoppserver” gesucht? Ich schlage den CCC vor.
Feb 17th, 2009 @ 18:00
Das wars dann ja wohl mit dem zensurfreien Internet…
Feb 17th, 2009 @ 18:25
[...] Protokoll der „Arbeitsgruppe Access Blocking“ [...]
Feb 17th, 2009 @ 18:41
[...] Februar 2009 von netzwelten Auf Netzpolitik.org findet sich ein interessanter Bericht über Pläne, gewisse Internetseiten zu blocken, also das [...]
Feb 17th, 2009 @ 19:39
[...] “PROTOKOLL DER „ARBEITSGRUPPE ACCESS BLOCKING“” (netzpolitik.org) [...]
Feb 18th, 2009 @ 0:28
Vodafone/Arcor – die kennt man doch schon als Netzsperrer – man erinnere sich an die Geschichte mit Youp***.
Feb 18th, 2009 @ 8:47
Isnofone der böse Grossmobil…
Willkommen im Intrigantenstadel: in dieser Folge erfahren wir, wer providerseits hinter den Plänen zur Netzzensur steckt. Die böse Tante T-Errocom scheint eine gute Gelegenheit auszulassen mit der Politik zu kungeln, um die eigenen Kunden in die Pfan…
Feb 18th, 2009 @ 9:44
Danke für das Protokoll. Auch wenn mich persönlich das Thema Zensur nicht wirklich fröhlich stimmt :/
Feb 18th, 2009 @ 10:20
Ich finde es eine sehr gute Entwicklung das solche Protokolle an die Öffentlichkeit gelangen. Bitte immer weiter so, es kann nicht gut sein wenn in einer Demokratie Entscheidungen hinter verschlossenen Türen gefällt werden.
Die Politiker müssen lernen das sich die Welt ändert. Plötzlich zählen die Politiker Meinungen nicht mehr viel, weil sich jeder Bürger selbst informieren und eine eigene Meinung bilden kann.
Auf Dauer wird es zu mehr direkter Einbindung der Bevölkerung kommen müssen wenn die Politiker keinen Aufstand provozieren wollen.
Sehr begrüßenswert. Danke.
Feb 18th, 2009 @ 14:28
Wie wirtschaftliche Interessen in Form von Beratungen bei der EU vertreten werden, stehen heute in einem Interview mit Bert Weingarten bei Stern Online.
> http://www.stern.de/panorama/:Terrorgefahr-Deutschland-Mit-GPS-Bombenanschlag/655043.html
ein paar Hintergrundinformationen hier
> http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24745/1.html
Feb 18th, 2009 @ 16:39
Vodafone/Arcor = pro Zensur
Ich hoffe die widerspenstigen Kunden warten nicht bis sie rausgeworfen werden sonder verlassen diesen Mistladen sofort!
Feb 18th, 2009 @ 17:07
Ich suche noch ein 10. Argument gegen Internetsperren. Kann mir jemand aushelfen?
http://blog.thomasmoehle.de/2009/02/warum-auch-internetzensur-quatsch-ist/
Feb 18th, 2009 @ 18:41
Man könnte denken, dass Frau von der Leyen nicht aus Niedersachsen kommt (Tochter des früheren Ministerpräsidenten Albrecht, früher Sprengel), sondern direkt und ohne fast 20-jährige Pause aus der DDR. Das Verhältnis dieses Ministeriums zu der “freiheitlich-demokratischen Grundordnung” der BRD und zu deren Grundgesetz ist genauso gestört wie das des Innenministeriums. Deutschland wäre dann nicht besser als China, über dessen Medien- und Informationspolitik im vergangenen Jahr die deutsche Presse Krokodilstränen verloren hat. Wo sind Spiegel, Stern, Zeit, Süddeutsche und so weiter?
Es ist interessant, dass ein solcher Eingriff insgeheim mit den technisch für die Informationsvermittlung verantwortlichen Firmen diskutiert wird und nicht in der Öffentlichkeit.
Diese Politiker sind lichtscheues Gesindel und gehören öffentlich gebrandmarkt und abgewählt.
Feb 18th, 2009 @ 19:22
Hinter verschlossenen Türen… war ja mal wieder klar. Ich denke, dass wir heute in einer Zeit angekommen sind, in der man das Demokratieprinzip neu entdecken sollte. Ich denke da an liveübertragene(als text im Inet) Bundestags-, -rats- und sonstige politische Sitzungen, in denen die “Zuschauer” den Politikern im Nachhinein ihre Fragen und Meinungen zukommenlassen können… Technisch möglich wärs auf jeden Fall und sicherheitstechnisch vermutlich unbedenklich. Außerdem würde es Kritikern erleichtern vernünftige Gegenargumente zu formulieren und insgesamt die Demokratie fördern…
Gibt es eigentlich eine Liste, welche Provider anwesend waren?
Feb 19th, 2009 @ 16:14
Ich vertehe das technisch nicht, gibt es dann einen Zwang den Anbieter-DNS zu nutzen? Und wenn ja, was ist dann mit anderen DNS-basierten Diensten wie den AntiSpam Blacklists, gehen Anfragen dahin dann nichtmehr?
Jan
Feb 19th, 2009 @ 18:09
du weißt doch, wie reißen uns doch alle nur den Arsch auf, damit das gro der Bevölkerung noch halbwegs seine Rechte zugesichert bekommt. Nen DNS Zwang gibbets bestimmt nicht.
Also wird es eigentlich kein Problem sein das zu umgehen.
Alle, die das Theme Internetsperren kritisch betrachten kommen doch auch in China an alle Inhalte ran.
Der ganze Scheiß ist Symbolpolitik von Politikern, die keinen Schimmer haben und damit vermutlich bei einen Großteil der Bevölkerung Punkte sammeln können, weil die ebenfalls keinen Schimmer haben.
Da hilft eigentlich nur Aufklärung, damit diese Ignoranz unsere Demokratie nicht kaputt macht.
Ansonsten würd ich die einfach ihre Porno-Liste implementieren lassen, da gibts dann bestimmt ne Sicherheitslücke und dann fügt man da einfach mal die Seite von Amnesty-International dazu und von ein paar Oppositionsparteien und geht dann damit an die Presse. Das sollte nen ordentlichen Aufschrei geben und das ganze Projekt vom Tisch fegen.
Feb 20th, 2009 @ 12:27
[...] geplante deutsche Internet-Zensur habe ich hier schon einmal berichtet. Auch diese Woche gab es im BMFSFJ eine Sitzung der AG Access Blocking, die den absoluten Willen zur Umsetzung einer Internetsperre ebenso deutlich machte, wie die [...]
Feb 28th, 2009 @ 15:51
[...] Im vorigen Artikel habe ich bereits von den unterschiedlichen Strategien der Zensur einiger Länder gesprochen. Doch die Zensur ist keineswegs auf Länder mit autoritären Regimen limitiert. Vielerorts sind Webseiten aus unerfindlichen Gründen nicht mehr erreichbar, weil zum Beispiel einige Provider freiwillig zensieren wollen, wie im Fall von Vodafone in Deutschland. [...]
Jul 14th, 2009 @ 11:41
[...] http://netzpolitik.org/2009/protokoll-der-arbeitsgruppe-access-blocking/ http://www.tauss.de/index.php?seite=786&s=1&menu=1 http://blog.odem.org/2009/02/keine-diskussion-internet-sperren.html http://www.heise.de/newsticker/Bundesregierung-Keine-Internet-Zensur-aber-Web-Sperren-gegen-Kinderporno–/meldung/134976 http://www.heise.de/newsticker/Internetprovider-fordern-klare-gesetzliche-Regelung-fuer-Access-Blocking–/meldung/121799 [...]
Jul 14th, 2009 @ 13:39
[...] sehr kritisch betrachtet. Die betroffenen Provider haben damals unterschiedlich reagiert. Wie netzpolitik.org berichtet, ist Vodafone/Arcor der einzige Provider, der die Pläne von Ursula von der Leyen offen [...]
Dez 1st, 2009 @ 15:47
ich brauche mal hillfe ich habe ein neues hendy aber ich brauche denn netzsperre cood weiß benn jemand ich weiß denn leider nicht der mir hilft denn kann ich auch immer helfen