Auf der Diskussion „Whistleblowing, WikiLeaks und die neue Transparenz“ in der Heinrich-Böll-Stiftung hat Daniel Domscheit-Berg neue Einsichten in die Konzeption von Openleaks gegeben. Was für mich neu ist (und was ich bisher vielleicht falsch verstanden habe, denn im Dezember las sich das noch anders): Openleaks soll lediglich einen sicheren Briefkasten in Form einer anonymen Infrastruktur zu Dritten anbieten und keinen sicheren Hafen für Original-Dokumente. Letztere sollen wahlweise von an der Openleaks-Infrastruktur beteiligten Medien und NGOs publiziert werden, sofern sie dies wollen. Andererseits soll es Schnittstellen geben für andere Infrastrukturen, die wie Wikileaks bisher sowohl einen sicheren Briefkasten als auch einen sicheren Hafen bieten. Werden also zukünftig über Openleaks geleakte Dokumente dann von Wikileaks im Original in einem sicheren Hafen publiziert?
Constanze Kurz erwähnte auf dem Podium, dass z.B. der Chaos Computer Club nicht in jedem Fall als möglicher beteiligter Partner sich juristisch und finnaziell leisten könnte, Original-Dokumente zu veröffentlichen. Ich hab daraufhin nochmal nachgefragt, weil ich bisher davon ausging, dass dieser „sichere Hafen“ Teil des Konzeptes von Openleaks sein würde.
Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit einem internen Papier der Deutschen Bahn im Frühjahr 2009 hab ich zumindest schonmal etwas die Anfänge eines juristischen Streits erlebt. Damals hab ich das durchgehalten, das Papier online zu halten, weil die Deutsche Bahn nach einigen Tagen aufgegeben hat. Aber das Papier war schon vorher bei Journalisten im Umlauf und Niemand von denen hat es veröffentlicht. Für mich ist es daher von Bedeutung, dass es für relevante Original-Dokumente einen sicheren Hafen gibt, damit ich als Rezipient und Teil der fünften Gewalt die Journalisten und Medien als vierte Gewalt kontrollieren kann. Das geht oftmals nur durch Zugriff auf dieselben Quellen, denn Journalisten können selbstverständlich einen eigenen Spin in eine Geschichte einbringen, etwas falsch verstehen oder Dokumente auch im Giftschrank einsperren. Dass dies verhindert wird, ist (zumindest in der Theorie) die Idee von Wikileaks und Co. Insofern lass ich mich mal überraschen, ob es einen solchen sicheren Hafens als Teil der Openleaks-infrastruktur geben wird. Ohne diesen wird Openleaks nur eine Infrastruktur für einen anonymen Briefkasten sein, was eine wichtige und notwendige Sache ist, aber die zweite wichtige Sache wird fehlen.
Damit wird das Open im Namen erstmal erfüllt, das Leaks ist noch unsicher.