Am gestrigen Abend war die Lobby der Berliner Abgeordneten Hausen gut gefüllt: Microsoft lud zu Speis und Trank sowie einer Informationsveranstaltung über sich selbst. Geladen waren die Abgeordneten aller Fraktionen, wobei die Grünen geschloßen nicht erschienen, und ausgewählte Pressevertreter. Wir dachten uns, dass Lobbying auch mal etwas transparenter ablaufen kann: Und waren als Embedded Journalists dabei, u.a. mit einem Audio-Live-Stream der Lobbyveranstaltung via UMTS (Der gestern hier zu hören war).
Dort, wo in früheren Zeiten die KPD gegründet wurde, im Feststaal des Berliner Abgeordnetenhauses, begrüßte Walter Momper (Präsident des Hauses, SPD) das größte Softwareunternehmen der Welt. Er bedankte sich mehrfach für das Kommen. Microsoft kostet der Abend ja auch genug an Miete.
Der Redner für Microsoft, Wolfgang Branoner „Director“ von Microsoft Deutschland für den „Public Sector“ und ehemaliger Wirtschaftssenator Berlins, sprach in seiner Rede oft davon, hier keine Produkte verkaufen zu wollen. Das macht man ja auch später und an einem anderen Ort. Eine Tupper-Party hatten wir auch nicht erwartet.
Bericht und Fotos von der Veranstaltung und der Aktion vor Ort …
Schon am Nachmittag besuchten drei Pinguine das Berliner Abgeordnetenhaus und forderten künstlerisch dazu auf, die Fenster zu zu machen – mit der Tastenkombination „Alt+F4“ ist das leicht gemacht. Das proprietäre Betriebssystem kostet die Stadt immerhin hohe Lizenzgebühren, ist überhaupt nicht nachhaltig und auch nicht besonders sicher. Abgesehen davon, dass es nicht besonders schlau ist, sich bei der IT-Infrastruktur hauptsächlich von einem Monopolisten abhängig zu machen und auf Monokultur zu setzen. Die Berliner Polizei tolerierte die Kunstaktion übrigens auf ihre ganze symphatische Art und Weise: Noch ehe sie wusste, wie sie mit ihr umgehen solle, konnte sie den Pinguinen nur noch einen schönen Tag wünschen.
Nach der Plenarsitzung begrüßten im Foyer nebst Microsoft auch die drei Pinguine die Abgeordneten. Leider konnten sie ihnen keine Schnittchen anbieten.
Die Kollegen des geschlossenen Betriebssystems zeigten sich ungewohnt nervös. Nach kurzer Besprechung entschloßen sie sich dazu, die Pinguine nicht hereinzulassen.
Im Eifer des Gefechtes versagte leider die eingesetzte proprietäre Software für den Audiostreams der Veranstaltung, womit leider keine kompletten Mitschnitte vorliegen. Der Kern der großen Worthülsen lässt sich allerdings ganz gut von den Folien ablesen: Microsoft schafft Arbeitsplätze!
Der Nachtisch wurde von den Aktivisten noch mit dem dezenten Hinweis versehen, dass es sich hierbei um gesponsorte Lebensmittel einer Monokultur handelt. (Hier ist die Vorlage zum ausdrucken, ausschneiden und selber basteln.) Zum Abschluß verabschiedeten wir uns mit einer großen Ermahnung:

Mehr Fotos von der Veranstaltung. Noch mehr Fotos gibts bei „Am Ende eines Tages“.
Mehr Informationen zu unserer Nachmittagsaktion und Pressemitteilung finden sich hier.