Torsten Kleinz war gestern für Heise bei der Pressekonferenz in der Staatsanwaltschaft Köln und hat einen Artikel dazu geschrieben: Ermittler hatten Zugriff auf eDonkey-Server [Update]. Schön, dass jetzt mal endlich klar ist, dass die Musikindustrie „Honeypots“ benutzt und diese wohl legal sind. Wir haben das bisher nur immer befürchtet und auch die Verbraucherzentralen dürfte dies interessieren. Wer eDonkey/eMule nutzt, sollte mal im Zitronengras-Blog vorbeischauen. Da hab ich gestern eine Anleitung gefunden, wie man die Server beim e2k-Netz umgehen kann und zwar ohne grosse Leistungseinbussen.
eMule läuft übrigens auch sehr gut ohne Serververbindung. Die Quellen bekommt man fast genauso schnall dank des dezentralen KAD-Netzes und Quellenaustausch.
Optionen -> Verbindung -> Häkchen bei „eD2K“ weg
Apropos Hausdurchsuchungen: Die Bild-Zeitung wusste schon vorher Bescheid und wurde vermutlich von der IFPI informiert. Die Durchsuchungen sollen gestern gewesen sein, gestern war aber schon in der Bild auf der Titelseite ein kleiner Artikel dazu. Von dpa können sie es nicht gehabt haben, die kamen erst viel später.
Spiegel Online hat den IFPI-Chef John Kennedy befragt, der gestern extra zur Pressekonferenz bei der Kölner Staatsanwaltschaft (!) eingeflogen ist. „Hör auf, bevor es dich erwischt!“
Kennedy: Ja, darüber kann man streiten. Alles, was ich sage, ist, dass ich es schwierig finde, wenn sich Leute über 99 Cent als Preis für etwas beschweren, das ich und die Person, die ein Musikstück kauft, für ein Stück Kunst halten. 99 Cent für etwas, das sie für immer behalten können. Das sie mit sich herumtragen können, das sie mitnehmen, wenn sie umziehen. Das sie auch nach zehn Jahren noch hervorholen und genießen können. Das einen emotionalen Wert für sie hat. Mir fallen nicht viele Dinge ein, die ich für 99 Cent kaufen kann, und die auch nach zehn Jahren noch einen Wert besitzen. Deshalb habe ich ein Problem damit, darüber zu diskutieren, dass 99 Cent zu viel sein sollen.
Weiss der Herr eigentlich nicht, wie das Geschäftsmodell von DRM funktioniert? Dass es ein Problem ist, die Musik für 99 Cent immer zu behalten und mit sich rumzutragen, weil der tragbare Player das DRM Stück nicht abspielen will, etc. 99 Cent wären ja ok, wenn man tatsächlich die Musik dann besitzen dürfte. Diese Funktion erfüllen die Online-Stores der Musikindustrie nicht, sie gaukeln es nur vor. Boykotiert einfach die DRM-Stores. Diee inzigen nutzbaren sind emusic.com und finetunes.de. Bei emusic zahlt man übrigens für MP3-Files teilweise nur 25 Cent!
Es ist Cannes-Zeit und unsere EU-Kommisarin und Medienindustrie-Lobbyistin Vivianne Redding hat den Aktzionsplan Film20 präsentiert. Dieser soll bei der Bekämpfung von Tauschbörsen helfen und DRM-Systemen den Weg bereiten. Heise berichtet darüber: EU-Kommission und Industrie verabschieden Charta „Film Online“.
Lobend erwähnt das Papier ferner die Entscheidung des obersten österreichischen Gerichtshofes, wonach Internet-Diensteanbieter die Namen und Adressen Urheberrechtsverletzern offen legen müssen. Die Industrievertreter begrüßen zudem den Oktober 2005 getroffenen Beschluss der schwedischen Datenschutzbehörde, dem Amt für Pirateriebekämpfung, die Erlaubnis zur Verarbeitung IP-Nummern zu gewähren, damit dieses die Polizei informieren und Verfahren bei besonders schweren Urheberrechtsverletzungen einleiten kann. So könnten die Rechtehalter besser zivilrechtlich gegen Urheberrechtsverletzer vorgehen.
Die Charta hält als Ziel die Förderung von Systemen zum digitalen Rechtekontrollmanagement (DRM) fest, die „sicher, kostengünstig, zuverlässig und vollständig kompatibel sind und im Idealfall auf offenen Standards beruhen sowie auf mehreren Plattformen und Geräten laufen“.
Kann ich mir eine neue Eu-Kommission wünschen? Eine, die weiss, wovon sie spricht? Der Absatz mit den DRM-Systemen klingt ja schon echt lächerlich, eher wie Wunschdenken und entspricht überhaupt nicht der Realität. Aber ansonsten keine grossen Überraschungen, alles wie geplant. Die Verbraucherschützer wurden ja auch aus den Treffen ausgeladen, damit es keine Störungen in der Zusammenarbeit von EU-Kommission und Industrie gibt.