China: Pläne für White Listing des Internets
von simoncolumbus um 12:50 am Dienstag, 22. Dezember 2009 | 12 Kommentare
Laut Beijing Times und Mingpao plant die chinesische Regierung eine weitere Ausweitung der Internetzensur. Anstelle der Sperrung unerwünschter Seiten soll demnach eine explizite Zulassung erfolgen, berichtet Danwei in Übersetzung der Beijing Times.
Demnach ist der erste Schritt der Kampagne bereits letzten Monat damit angelaufen, dass in Zukunft nur noch Unternehmen und Behörden die chinesische .cn-Domain registrieren können. Das geht aus einem Dokument des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hervor. Die zweite Phase soll laut der Bejing Times zwischen Januar und September 2010 eine Verschärfung der Kontrolle von Domain-Registrierungen mit sich bringen. In der finalen Phase von Oktober bis Dezember 2010 soll “a complete monitoring and analysis of online data flow and resources for identifying illegal and unsolicited activities” durchgeführt werden.
Ausländische Webseiten sollen laut der Bejing Times standardmäßig zensiert werden, schreibt Danwei:
If carried out, the new MIIT measures will effectively set up a white-list of accessible sites. Any overseas website that does not make the effort to file paperwork with a Chinese government agency (or does not realize it needs to) will find itself cut off from mainland China.
Oiwan Lam fasst auf Global Voices Advocacy die geplanten Maßnahmen zusammen:
If the MIIT is to white-listing the whole Internet, it will turn the Chinese Internet into intranet and cripple most of the circumventing devices.
Auch wenn Zensurumgehungssoftware wie alkasir weiterhin funktionieren sollte, hat die chinesische Zensur in der Vergangenheit große Breitenwirkung bewiesen. So verlor Facebook innerhalb eines Monats die Hälfte seiner Nutzer in China, nachdem das Social Network auf der Sperrliste gelandet war.
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Kommentare
12 Kommentare zu “China: Pläne für White Listing des Internets”
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Dez 22nd, 2009 @ 12:59
Hier im Westen darf jetzt niemand überrascht sein.. das sonnige und grüne Internet bekommt auch einen Zaun, der klar und deutlich beschrieben ist.
Also nichts grundsätzlich neues, nur dass die Regeln umgedreht werden und Handlungsbedarf erzeugen. In außerchinesischen Firmen, deren kommerzielle Interessen in China liegen (=die dort gefunden werden wollen), dürfte jetzt der Beratungsbedarf steigen. :)
Dez 22nd, 2009 @ 13:28
Bin mal gespannt wann:
a) Sowas hier kommen soll
b) Wie lange sich die Chinesen noch so unterdrücken und bevormunden lassen.
Wenn es da mal nen Aufstand gibt dann gewaltig.
Dez 22nd, 2009 @ 13:36
whitelisting? Na, dann sollten sie es aber auch nicht mehr als Internet bezeichnen, sondern als nationales Intranet. Das trifft es eher.
Hatten wir hier nicht auch mal sowas mit podcasts oder streams vor? Was ist eigentlich daraus geworden?
Dez 22nd, 2009 @ 13:43
empfehlungen.
nach 1933 wie auch später in der ddr wurden amateurfunklizenzen nur an ‘staatlich geprüfte’ verantwortliche in vereinen ausgegeben, unter deren ägide dann sende- und empfangsbetrieb von einer feststation durchgeführt werden durfte. auch die unter dieser prämisse zugelassenen funkamateure unterlagen einer strengen kontrolle. mobiler funkbetrieb wurde nur erlaubt, wenn er angemeldet war, wiederum mit genauer ortsangabe.
eine weitere, auch dem amateurfunk entlehnte variante hat evildaystar entworfen, indem sie die DVAFuG (durchführungsverordnung zum amateurfunkgesetz) umgestrickt haben.
Dez 22nd, 2009 @ 17:56
Alles in allem ein gutes Zeichen! Es zeigt doch, dass China trotz immensen personellen und technischen Aufwandes der stetig anwachsenden Informationsflut nicht mehr gewachsen ist und nun die Notbremse ziehen will. Ob sich das aber langfristig mit den Anspruechen und Notwendigkeiten einer aufstrebenden Wirtschafts-Weltmacht vereinbaren laesst, darf bezweifelt werden. Frueher oder spaeter werden die Daemme brechen und China gezwungen sein, sich mit unpaesslichen Informationen zu arrangieren.
Dez 22nd, 2009 @ 19:58
Hierzu Lande würde man das Registrieren von Websites als “Alterskennzeichnung von Internetangeboten” bezeichnen.
Dez 22nd, 2009 @ 22:09
Die Registrierungsmöglichkeiten von .cn-Domains für Ausländer haben sich diese Tage enorm verschärft. Wer nicht Identitätsnachweise und anderes beibringt, der kann keine Domains mehr registrieren. Das kam jetzt ziemlich überraschend, sodaß einige Registrare/Reseller die Registrierung von .cn-Domains eingestellt haben.
Dez 24th, 2009 @ 15:26
mittlerweile nennen manche chinesen, ohne dabei hämisch sein zu wollen, das internet nicht 互联网, was ungefähr mit dem deutschen ausdruck gleichbedeutend ist, sondern 中国网, also china-netz….
Dez 29th, 2009 @ 6:38
[...] Internetverkehr Chinas wird über ein grosses Firewall-System geleitet (Project Golden Shield). Geplant in den nächsten Jahren ist ein Wechsel vom Blacklisting zu einem Whitelisting – dann sollen [...]
Dez 29th, 2009 @ 7:33
@simon
1.) kommt fix bei uns, eh klar in welche richtung alles geht…
2.) Aufstand?? glaubt ihr echt, wenn wir alle mal in einem überwachungsstaat leben und demos dann auch verboten sind und es “richtige” medienmanipulation geben wird, wie sie schon mal da war(und den mist damals auch fast jeder mitgemacht/geglaubt hat), sich die mehrheit der bevölkerung auf die straße stellen wird?? sicher nicht…
im iran macht das noch ein teil, weil sie auch vom ausland motiviert werden und sehen können, wie schön es ihnen gehen könnte, aber wenn man weltweit mal soweit ist, dann wird nichts mehr gehn… da gibts dann höchstens nur mehr plätze des himmlischen friedens überall…
Jan 18th, 2010 @ 16:59
[...] Kampagne, zu der auch diese Zensur von SMS-Nachrichten gezählt werden kann, soll sich noch bis Ende des Jahres hinziehen. abgelegt in: China, Datenschutz, Zensurgetaggt mit: China > Datenschutz > sms > [...]
Jan 19th, 2010 @ 2:14
[...] Kampagne, zu der auch diese Zensur von SMS-Nachrichten gezählt werden kann, soll sich noch bis Ende des Jahres [...]