Am 18. Mai beginnt vor dem Landesgericht Karlsruhe das Strafverfahren gegen Jörg Tauss. Beschuldigt wird das derzeit wohl prominenteste Mitglied der Piratenpartei “des Besitzes und der Verbreitung von kinderpornografischem Material”.
Update 16.05.: Der Anwalt von Jörg Tauss schrieb mir, dass Tauss lediglich des Besitzes und des „sich und einem anderen Verschaffens“, nicht aber der Verbreitung beschuldigt wird. Meine Quelle war das von Tauss geführte Blog „Tauss-Gezwitscher“ (siehe Link). Offensichtlich ist war es dort auch falsch formuliert.
Ich spare mir an dieser Stelle die üblichen Floskeln zur Unschuldsvermutung. Schlicht, weil ich Tauss’ Erklärung vom 11.03.2009 (PDF) für glaubhaft und plausibel halte:
[…] Wenn ich heute behaupten kann, einer der wenigen Experten auf diesem Gebiet, wahrscheinlich nicht nur im Bundestag zu sein, hängt es eben auch damit zusammen, dass mir ein Zugang in diese Bereiche gelungen ist, ohne daran ein irgendwie geartetes außerdienstliches Interesse gehabt zu haben.
Warum tut man das? Mir ging es darum, eigene Erkenntnisse für die politische und gesetzgeberische Arbeit zu diesem Thema zu gewinnen. […] ich habe dabei in der Überzeugung gehandelt, als zuständiger Fachpolitiker im Bundestag zu solchen Recherchen berechtigt gewesen zu sein und mich dabei auch im Rahmen des nach § 184b Absatz 5 StGB Erlaubten verhalten zu haben. […]
Gewiss, es mag naiv und dumm gewesen zu sein, eigenständig in der Szene zu recherchieren. Ob Tauss sich damit schuldig im Sinne des Gesetzes gemacht hat, muss das Gericht entscheiden.
# Pressemitteilung zum Beginn des Strafverfahrens gegen Jörg Tauss (Jörg Tauss)
Zur Komplexität der Privacy-Einstellungen bei Facebook hatten wir ja schon vorgestern etwas. Nick Bilton bringt das Thema in der New York Times noch einmal auf den Punkt:
Pop quiz: Which is longer, the United States Constitution or Facebook’s Privacy Policy? If you guessed the latter, you’re right. Facebook’s Privacy Policy is 5,830 words long; the United States Constitution, without any of its amendments, is a concise 4,543 words.
Sehenswert ist auch die zugehörige Infografik. So ein Bild sagt bekanntlich mehr als 5.830 Wörter:
# Price of Facebook Privacy? Start Clicking (Nick Bilton, New York Times)
# Facebook Privacy: A Bewildering Tangle of Options (New York Times)
[Nachtrag] Bitte auch Mercedes Bunz lesen:
Quite a while ago, Facebook gave users more control about what you want to share with whom. Now, a month later, media reports that users find the privacy settings too complicated. Let me translate this for you: There is no media story at the moment, so let’s express some concern about Facebook and privacy as that works always. […]
Sehr hübsch auch das Zitat von David Montgomery, das sie am Start hat:
Complaining about Facebook privacy has joined fixed-gear bikes and ironic facial hair as a hipster trademark.
[/Nachtrag]
Der nächste Link ist nicht weiter überraschend, BKA-Chef Ziercke kritisiert einmal mehr das Aussetzen der Vorratsdatenspeicherung: „Das Internet darf kein strafverfolgungsfreier Raum sein“. Bin ich eigentlich der einzige, der sich wundert, wie penetrant Ziercke regelmäßig in der Öffentlichkeit Entscheidungen seines Dienstherren bzw. des Bundesverfassungsgerichts in Frage stellt? Bin ich eigentlich der einzige, der sich fragt, wie diese offensichtlich persönliche Agenda mit dem Status eines beamteten Staatsdieners in Einklang zu bringen ist?
# BKA hofft weiter auf Vorratsdatenspeicherung (Marc Hippler, Zeit Online)
Bei Diskussionen über die GEMA verweise ich gerne und regelmäßig auf zwei Texte von Peter Mühlbauer, die bereits 2001 bei Telepolis veröffentlicht wurden:
- Urheberrechtsausgleich oder Subventionssteuer?
Peter Mühlbauer 09.05.2001 & 11.05.2001
Teil 1: Wie die Verwertungsgesellschaften ihre Einnahmen verteilen
Teil 2: Die Stichprobe. Ein Filesharingexperiment
Inzwischen sind die ein wenig angestaubt, auch wenn sich an den grundsätzlichen Problemen wenig bis nichts geändert hat:
# Jeder braucht sie, aber keiner will sie. Die GEMA […] (Jörg Augsburg, der Freitag)
# Die Mär von der Kostenlos-Mentalität (Andrea Müller, heise Online)
# Interview mit Kachingle-Gründerin Cynthia Typaldos (Ulrike Langer, medial digital)
Die letzten beiden Links für heute kommen aus dem in Gründung befindlichen Ressort „Beissholz und Spaß“. Marting Oetting rantet über die Süddeutsche und galoppierenden Klickstreckenwahnsinn (inkl. Mehrwert in den Kommentaren), den Unix-Witz der Diaspora-Macher habe ich in der Twitter-Timeline von StudiVZ-CTO Jodok Batlogg gefunden. Über Diaspora, eine Software zum Aufbau dezentraler sozialer Netzwerke, die komplett auf Open Source setzt, werden wir in Zukunft sicher noch mehr als dreckige Unix-Witze hören. Next big thing und so:
# Die Verzweiflung der sueddeutschen.de muss endlos sein. (Martin Oetting)
# Diaspora und der dreckige Unix-Witz (Robert Quigley, Geekosystem)