Begonnen hatte alles ganz harmlos mit Sascha Lobos Artikel über flattr, in dem er illegales Filesharing als Diebstahl bezeichnete. Widersprochen wurde ihm (unter anderem) von Marcel Weiss, woraufhin Lobo sich korrigierte, Filesharer seien egoistisch (und 90% der Musikindustrie bescheuert und grauenhaft).
Unter dem Titel „Filesharer – Schmierige Egoisten oder Wegbereiter der Musikbranche?“ diskutierten die beiden heute auf der all 2gether now (#a2n) – wie erwartet ergebnislos.
Lobo konzentrierte sich auf den ‚moralischen’ Aspekt. Das handeln von Filesharern sei egoistisch und unanständig, und keiner habe etwas davon; weder Industrie, noch Künstler. Auf seine immer wieder (erst beiläufig, später provokativ, manisch wiederholend) gestellte Frage „Findest du Filesharing gegen den erklärten Willen des Anbieters okay oder nicht? Ja oder nein!“ ließ er Weiss’ Argument, dass es sich nicht um eine moralische, sondern eine ökonomische Frage, nämlich um einen sich im Umbruch befindenden Markt handele, nicht gelten. Lobo forderte, ein moralisches Bewusstsein für die Entlohnung von Musik müsse erhalten bleiben. Dass es möglich sei, vom Kulturschaffen leben zu können, sei eine der großen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts und ein hohes Gut.
Weiss wollte auf alternative Geschäftsmodelle für Musiker hinaus, darunter Einnahmen durch crowdsourcing-Modelle, Merchandise und Konzerte. Die Grenzkosten beim Vertrieb von Musik seien nun einmal bei nahezu Null, und dies sei eine ökonomische Gegebenheit, der sich der Markt nicht verwehren könne. Von der Idee, mit dem Verkauf von Dateien seinen Lebensunterhalt zu verdienen, müsse man sich verabschieden. Für jemanden, der Geld verdienen will, sei nicht relevant, welche Geldquellen als gut oder böse gölten, sondern welche ergiebig seien. Natürlich gebe es einen egoistischen Aspekt beim illegalen Download, aber viele der Anbieter agierten nicht aus egoistischen Motiven, sondern betrieben großen, unentgeltlichen Aufwand. Die moralische Forderung Lobos diene nur der Stabilisierung eines anachronistischen Modells und habe keine realistische Basis.
Lobo betonte, Filesharer lieferten der Musikindustrie Argumente für Deep Packet Inspection und alle möglichen Einschnitte in „das Internet“, deshalb müsse ein moralischer Konsens in der Gesellschaft entstehen, eine Art freiwilliger Ehrenkodex. Filesharing dürfe als ökonomisch zu verschmerzendes Nischenphänomen und Kavaliersdelikt für 17-Jährige weiterbestehen, aber dann müsse Schluss sein.