Schon 2007 fing man in der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) an, sich über Blackberry-Mobiltelefone als nationales Sicherheitsrisiko zu beschweren, weil deren Emails direkt auf ausländische Server übertragen und dort verwaltet werden. Dies habe Konsequenzen für die rechtliche, soziale und nationale Sicherheit, weil einige dieser Dienste missbraucht werden könnten. Der Verdacht, dass es der VAE nicht um die Speicherung im Ausland, sondern um die verschlüsselte Übertragung dorthin ging, lag nahe. Er erhärtete sich, als der Telefon-Provider Etisalat ein ‚Update’ für Blackberry-Geräte anbot, das Spyware-Zugriff auf die Email-Funktion mit einschleuste. Der Hersteller RIM bot umgehend einen Fix an, und die VAE kündigte die Sperrung des verschlüsselten Blackberry Email-Services ab 11. Oktober diesen Jahres an.
Etwas zackiger ging Saudi-Arabien vor: Kurzfristig wurde angekündigt, dass in ein paar Tagen gesperrt würde, RIM reagierte laut Associated Press (AP) mit der Verlegung der Server nach Saudi-Arabien, und schwieg zu dem Thema, das plötzlich einfach vom Tisch war.
Zeitgleich fing Indien an, sich zu melden, und verlangte von RIM, indischen Behörden ab dem 31. August 2010 Zugriff auf die verschlüsselten Emails einzuräumen. Andernfalls werde man sperren. Und RIM reagierte angeblich mit der Ankündigung von Zugeständnissen: Indische Behörden sollten Zugriff auf die letzten 15 Tage bekommen. Bisher ist dies jedoch anscheinend noch nicht geschehen, und RIM dementiert die Ankündigung.
Ähnliche Vorgänge zeichnen sich in Russland und China ab.

Aber was soll das eigentlich?
Wie der Sicherheitsexperte Bruce Schneider betont, kann so gut wie jedes internetfähige Gerät verschlüsselt mit Email-Servern im Ausland kommunizieren – Zum Beispiel mit GMAIL über SSL (dabei ist die Nachricht selbst aber längst nicht ‚verschlüsselt’, genau so wenig wie beim Blackberry!). Solche Dienste sind aber nicht an Hardware-Anbieter gebunden, die gerne ihre Geräte verkaufen wollen. Die Regierungen fordern also zum Staring Contest heraus: Sie wollen natürlich nicht die bösen Blackberry-Blocker werden, und RIM möchte auch gerne weiter am Markt bleiben.
Der nahe liegende – nennen wir es Kompromiss – ist es dann natürlich, die Angst des Staates vor „Rebellengruppen“ mit Blackberries zu mindern. Dafür kann man die relevanten Server ins jeweilige Land holen, wo sie dann „nachsichtigeren“ Gesetzen unterliegen, oder vielleicht auch eine kostengünstigere Methode finden, indem man Direktzugriff auf bestehende Infrastruktur gewährt.
Der falsche Schluss aus dieser Geschichte wäre es aber nun RIM als „die Guten“ zu sehen. Verschlüsselung ist Vertrauenssache, und gute Krypto lässt einen die Schlüssel selber machen, wie es zum Beispiel bei GPG für Email und OTR für Instant Messaging der Fall ist. Im Übrigen findet beim Blackberry ja auch nur die Kommunikation mit dem Server verschlüsselt statt, nicht etwa die Übertragung der gesamten Nachricht von Absender zu Empfänger. Für ‚Terroristen’ ist sowas gänzlich ungeeignet. Nicht zuletzt Innenminister Thomas de Maizière warnt Mitglieder der Regierung vor der Nutzung von proprietären Verschlüsselungssystemen, bei denen der Zugangsstandard nicht selbst bestimmt wird. Eine guten Überblick zu Überwachung und Verschlüsselung bietet dieses Interview mit Sunil Abraham vom Bangalore Centre for Internet and Society.