Mario Sixtus berichtet in seinem Blog vom aktuellen Stand „In Sachen GVU“:
Ich habe gestern Abend per Fax bei der GVU eine Erklärung für diesen Amoklauf eingefordert. Daraufhin meldete sich heute Vormittag Matthias Leonardy, Geschäftsführer der GVU telefonisch bei mir. Leonardy erklärte, bei der Sperrung handele es sich um einen „Irrtum“, die Sperre sei von einem Dienstleister (der Firma Opsec Securities aus München) initiiert worden, der im Autrag der GVU handele. Man „bemühe“ sich derzeit um „Aufklärung“ und habe Vimeo bereits um eine Aufhebung der Sperren gebeten.
Diese „Erklärung“ reicht mir natürlich nicht. […] Die GVU, bzw. der von ihr beauftragte Dienstleister haben in meine Publikationsrechte eingegriffen und dabei ein Werkzeug missbraucht, das Vimeo zum Schutz der Rechte der Urheber – also meiner – eingerichtet hat. […] Ich habe Hernn Leonardy daher aufgefordert, eine rechtsverbindliche und strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben, […]
Die ganze Geschichte gibt es nebenan bei Mario. Fortsetzung folgt.
[13:02] … und zwar hier und jetzt in Form eines Updates. Soeben ist die gemeinsame Presseinformation von OpSec und GVU in meiner Mailbox gelandet, die ich zunächst unkommentiert durchreichen möchte:
5 von 5 Millionen Löschungsaufforderungen im Namen der GVU
Branchenprojekt richtet sich gegen Portalseiten mit illegalen Inhalten
Berlin, München, 10. August 2010. Im Rahmen des branchenweiten Anti-Piraterie-Projekts „Portalschließungen“ wurde der Videohost Vimeo aufgefordert, vier Videos von Mario Sixtus und den Titel „Du bist Terrorist“ von Christian Lehmann zu löschen. Diese Aufforderungen erfolgten irrtümlich und eine Löschung der Titel war von der GVU weder gewünscht noch beabsichtigt. Deshalb ging gestern um 22:59 Uhr eine weitere Mail an den Host Vimeo mit der Bitte, die Links zu den fraglichen Titeln wieder zu aktivieren.
Das Projekt „Portalschließungen“ richtet sich nicht gegen einzelne Hosts und somit nicht gegen Vimeo. Vielmehr werden ausgesuchte Portalseiten bekämpft, die als zentrale Plattformen zur Verteilung von illegal ins Internet gestellten urheberrechtlich geschützten Filmen identifiziert wurden. Die aktuelle Aktion richtete sich gegen die Portalseite „Monsterstream“. Neben den zahlreichen Links zu aktuellen Kinofilmen und TV Serien waren dort auch solche zu den genannten Titeln gepostet. Diese sind versehentlich mit erfasst worden. Die Ursache dafür wird gerade analysiert.
Die meistfrequentierten Portalseiten mit Links zu urheberrechtlichem Material werden von der Firma OpSec Security kontinuierlich gescannt. Anschließend werden Löschungsaufforderungen verschickt (notice-and-takedown-Verfahren). Im Rahmen des Projekts „Portalschließungen“ der deutschen Filmwirtschaft wurden seit 2008 für mehr als 5 Millionen Links Löschungsaufforderungen an verschiedenste Hoster weltweit versandt. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU) ist als Anti-Piraterie-Organisation der Filmwirtschaft in das Projekt eingebunden. Die Anzahl der auf solchen Streaming-Portalseiten gelisteten illegalen Filmdateien stieg nach GVU-Erkenntnissen im vergangenen Jahr um 217 Prozent.
GVU und OpSec Security bedauern das Versehen und sind gemeinsam bemüht, die Ursache zu klären, um derartige Versehen in Zukunft ausschließen zu können.“
[14:34] Ebenso wie Mario Sixtus hält auch Alexander Lehmann eine rechtswirksame Unterlassungserklärung der GVU zur Wahrung seiner Rechte für angemessen. Vertreten werden beide vom Düsseldorfer Anwalt Udo Vetter. Vetter schreibt in seinem Lawblog:
Wie Mario Sixtus verlangt auch Alexander Lehmann eine rechtswirksame Unterlassungserklärung von der GVU. Auch, um dafür zu sorgen, dass die GVU die offenbar im eigenen Haus oder bei ihren Dienstleistern herrschenden Missstände abstellt.
Wir haben für Mario Sixtus und Alexander die GVU angeschrieben und förmlich abgemahnt. Die GVU hat nun bis Donnerstag Zeit für eine Reaktion.
[19:05] In den Kommentaren zu diesem Blogbeitrag wurde die GVU bereits für ihre schnelle und professionelle Reaktion gelobt. Das ist ein Punkt, den man vielleicht noch einmal überdenken sollte, wen man liest, dass GVU-Sprecherin Christine Ehlers den beiden Betroffenen indirekt eine Mitschuld an der Löschung gibt.
Das Zitat stammt aus einem Bericht des Radiosenders on3 (Jugendsender des Bayerischen Rundfunks). Es geht dabei um die Frage, wie das mit den zahlreichen Kommentaren und Diskussionen ist, die bei Vimeo rund um Alexander Lehmanns Video entstanden sind. Die nämlich scheinen unwiderbringlich verloren, und damit auch ein beachtlicher Teil von Alexanders Reputation im Netz:
GVU-Sprecherin Ehlers weiß, darauf angesprochen, keine wirkliche Antwort – und gibt Lehmann und Sixtus indirekt selbst eine Mitschuld für den von der GVU verursachen Schaden: „Es ist für uns ein kleines bisschen überraschend, dass manchmal Leute über Portalseiten auffindbar sind, die wir eher zu den massiv urheberrechtsverletzenden Angeboten zählen“, sagt sie im on3-Interview. […]
[Nachtrag, 03:55] Ich sehe gerade, dass sich bei Vimeo zu beiden Sprachversionen von „Du bist Terrorist“ zahlreiche Kommentare finden, die „1 year ago“ verfasst wurde. Auch der Counter dürfte mit gut 780.000 Abspielvorgängen wieder einen realistischen Wert zeigen. Ob tatsächlich alle Kommentare und Diskussionen wiederhergestellt werden konnten, weiß ich nicht. Schön ist es trotzdem.