Müsste ich an dieser Stelle noch einmal schreiben, was ich von „Innocence in Danger“ und den Methoden des Vereins halten, wäre das wohl eine proaktive Bewerbung um eine Abmahnung Strafanzeige, wie sie die Kollegen von der Berliner Zeitung erhalten haben sollen.
Darauf verzichte ich dankend (Wer mag, kann zur Einstimmung ja noch einmal diesen etwas älteren Text von Stefan Niggemeier lesen. Oder diesen etwas neueren.). Ich will auch nicht noch einmal auf Stephanie zu Guttenbergs verantwortungslose Zockerei bei „Wer wird Millionär“ rumreiten …
Gerne verweise ich aber auf die Berichte, die in den letzten Tagen in der Berliner Zeitung, der Frankfurter Rundschau, der Süddeutschen und bei Telepolis erschienen sind. Sie beschäftigen sich mit Frage, wie es bei „Innocence in Danger“ mit der Transparenz im Umgang mit Spendengeldern bestellt ist und welche Hilfsprojekte die „kleine Mannschaft“ (O‑Text IiD-Reaktion, PDF) konkret betreut. Die Ergebnisse der Recherchen sind durchaus aufschlußreich.
# Experte im FR-Interview: „Seriöse Vereine legen ihre Finanzen offen“ (Matthias Thieme, Frankfurter Rundschau, 27.11.2010)
# Spenden: Vorwürfe gegen „Innocence in Danger“ (Matthias Thieme und Katja Tichomirowa, Frankfurter Rundschau, 29.11.2010)
# Fragen an den Hilfsverein (Matthias Thieme, Frankfurter Rundschau, 29.11.2010)
Der Verein „Innocence in Danger“ bekommt viele Spenden und kann oder will nicht ansatzweise plausibel erklären, wie dieses Geld verwaltet und ausgegeben wird. Stephanie zu Guttenberg sollte das schleunigst aufklären.
# Undurchsichtige Finanzen, dubiose Methoden (Katja Tichomirowa und Matthias Thieme, Berliner Zeitung, 27.11.2010)
# „Lieber eine transparente Organisation bevorzugen“ (Matthias Thieme, Berliner Zeitung, 27.11.2010)
# Fehlende Transparenz (Katja Tichomirowa und Matthias Thieme, Berliner Zeitung, 30.11.2010)
# Wundern über das Schweigen (Matthias Thieme, Berliner Zeitung, 02.12.2010)
Anmerkung: Wer sich wundert, dass die Artikel nicht nur fast wortgleich sind, sondern auch von den gleichen Autoren verfasst wurden: Die „Frankfurter Rundschau“ und die „Berliner Zeitung“ gehören zur „DuMont-Redaktionsgemeinschaft“ und teilen sich als solche redaktionelle Ressourcen und einzelne Artikel.
# Frau zu Guttenberg, die verfolgte Unschuld (Stefan Niggemeier, Bildblog, 29.11.2010)
# Innocence in Danger und deren ungewohntes Schweigen (Bettina „Twister“ Winsemann, Telepolis, 01.12.2010)
# Miss Charity meldet sich zu Wort (Thomas Denkler, Süddeutsche Zeitung, 02.12.2010)
Stephanie zu Guttenberg reagiert mit einer Mini-Transparenzinitiative auf kritische Berichte zu ihrem Kinderschutz-Verein „Innocence in Danger“. Wirklich erklärt hat sie wenig.
Interessant ist zudem noch ein anderer Punkt, den Denkler auf der dritten Bildschirmseite seines Artikels herausarbeitet. Ziel von „Innocence in Danger“ sei nicht die konkrete Arbeit mit Betroffenen – dort beschränke man sich auf „Ah-hoc-Aktionen“ (Das fehlende „öffentlichkeitswirksame“ bitte selber denken), – sondern die „Vernetzung und Koordinierung vorhandener Beratungsstrukturen“. Hinzu kommen „Maßnahmen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch Schaltung von Plakataktionen sowie durch die Entwicklung und Umsetzung von geeigneten Medienkampagnen“.
Das ist ein schönes Ziel (Bitte nicht abmahnen, es steht nun einmal so in der Satzung …). Insbesondere, weil der, der vernetzt und koordiniert, natürlich immer auch in einer Machtposition gegenüber den – oft kleinen – Initiativen ist, die koordiniert werden sollen (und geradezu chronisch pleite sind).
An dieser Stelle denken wir uns bitte kurz wie „Innocence in Danger“-Geschäftsführerin Julia von Weiler die Augen aufschlägt und „Das ist so gemein!“ (vgl. „Tatort Internet“, Folge habe ich mir nicht gemerkt) sagt. Aber hee, nicht alle sind gemein zu „Innocence in Danger“.
Ganz andere Töne schlägt derweil nämlich die Miss Charity Der Engel der missbrauchten Kinder Stephanie zu Guttenberg mit einem Unterstützerstück hilfreich zur Seite eilende FAZ-Autorin Melanie Mühl an:
# „Innocence in Danger“: Man muss nur die richtige Frage stellen (Melanie Mühl, FAZ, 01.12.2010)
Am Ende bleibt von allen Vorwürfen nichts. Ziemlich riskant, in der Adventszeit, in der Spendenvereine mit Neid aufeinander schauen, von „Spendensumpf“ zu reden.
Nun, in der Süddeutschen liest sich das irgendwie anders.
PS: *Räusper* Darf ich in diesem Zusammenhang evtl. auch gleich fragen, wann die „Profiblogger“ zurücktreten, die als „Stützen der Gesellschaft“ im FAZ.net – nach eigenen Angaben – gutes Geld verdienen? Ach nein, das wäre albern.
Disclosure: Ich „blogge“ selber für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem FAZ.net unter einem Dach gebündelt ist. Evtl. sollte ich mich da also einfach raushalten (Auch wenn ich mich a) als freier Mitarbeiter natürlich in keinster Weise für den Verlag äussern kann und will und b) hier im Blog ausschließlich meine private Meinung vertrete).