Neben Vorratsdatenspeicherung und Internetsperren ist Deep Packet Inspection (DPI) eine der großen dummen Ideen, die einfach nicht kleinzukriegen sind. Ähnlich wie bei der Aufhebung der Netzneutralität („Extra-Power für ihr [put favorite internet service here]!“), versucht man DPI nun als Zusatzdienst zu vermarkten.
Kindsight Inc. und Phorm Inc. schlagen DPI als Möglichkeit für ISPs vor, ein Stück vom Kuchen der Online-Werbung abzubekommen, denn mittels der DPI-Spitzelei soll die Werbung noch viel zielgerichteter werden.
Kindsight ist besonders verlogen gewieft verkauft den Kunden DPI als zusätzliches Sicherheitslayer.
Übrigens gibt Kindsight damit an, seine Technik bei sechs ISPs in Kanada, USA und Europa bereits zu Testzwecken laufen zu haben, ohne dass die erstellten Profile auch zum Platzieren zielgruppenorientierter Werbung zum Einsatz kommen. Es wird also nur überwacht, ohne dass der Kunde in den Genuss des ohnehin zweifelhaften Vorteils kommt. Natürlich wird nicht verraten, bei welchen Providern das der Fall ist.
Natürlich wird aber großen Wert auf Privacy gelegt: Denn obwohl Kindsight sogar mehrere Nutzer eines Computers, und ob diese gerade privat oder geschäftlich im Netz unterwegs sind, nur an ihrem Surfverhalten unterscheiden kann, will man natürlich nicht die erstellten Profile mit Realnamen verbinden. Natürlich (!) nicht.
Die automatische Unterscheidung von „Charakteren“ wird gerade – wie sollte es anders sein – patentiert.
Bisherige Versuche, DPI zu etablieren sind (wenn sie herauskamen) immer am großen Skandal, der folgte, gescheitert. Bob Dykes, Gründer eines so gescheiterten Unternehmens, stellte entsprechend fest: „Also wenn ich es nochmal versuche, dann mit Opt-In.“ – und was wäre ein besserer Opt-In als ein zusätzlicher kostenloser Service, der Schutz vor Identitätsdiebstahl verspricht?