Ok, ich mache es kurz: Google hat uns weiterhin lieb. Also, vielleicht nicht gerade uns hier bei Netzpolitik.org (obwohl wir fraglos Deutschlands liebenswertestes Netzpolitik-Blog sind!), sondern mehr so im Allgemeinen. Allerdings gibt es ein paar Missverständnisse aufzuklären.
Worum geht es überhaupt? Gestern machte ein Blogeintrag von „Search Engine Land“ die Runde, dass Google die Aufnahmen für Street View in Deutschland gestoppt habe:
Google Has Stopped Street View Photography In Germany
Apr 10, 2011 at 10:15am ET by Matt McGeeIn most locations, Google sends its Street View cars out on a repeated basis “to make sure the information is accurate and kept up to date,” as the Street View website explains.
But that’s not happening in Germany.
Despite the recent German court ruling that declared photography from streets legal in Germany, Google has stopped Street View photography there and says it has “no plans to launch new imagery on Street View in Germany.” […]
Im Wesentlichen behauptet McGee also drei Dinge:
- Google schickt seine Autos wiederholt raus, um Informationen aktuell zu halten. Nur nicht in Deutschland.
- Google hat die Aufnahmen in Deutschland gestoppt
- Es gäbe keine Pläne, weiteres Bildmaterial aus Deutschland bei Street View zu veröffentlichen.
Punkt 1: Anders, als McGee behauptet, erklärt die von ihm(!) verlinkte(!) Webseite lediglich, wo die Street-View-Autos gerade unterwegs sind (Hervorhebung von mir). Eben diese Information will Google möglichst aktuell halten:
This information shows a sample of the areas in which our cars are currently operating. We try to make sure the information is accurate and kept up to date, but because of factors outside our control (weather, road closures, etc), it is always possible that our cars may not be operating, or be operating in areas that are not listed. In these circumstances, we’ll try to update the list as soon as we can.
Es geht an dieser Stelle also gar nicht um die Aktualisierung des Datenbestandes (dazu später). Vor allem aber geht es nicht darum, Bildmaterial zu aktualisieren. Eine Aktualisierung veralteter Bilder ist zur Zeit schlicht nicht geplant. Das hat weniger mit dem Ärger zu tun, den Google in Deutschland hatte, sondern schlicht mit der Tatsache, dass der Rest der Welt ja auch noch fotografiert und nachbearbeitet werden muss. Man muss halt Prioritäten setzen. Und das vielleicht nicht gerade in Wanne-Eickel.
Das ist soweit nicht einmal eine neue Information. Bereits im Oktober schrieb ich in einem Kommentar hier bei Netzpolitik zur Frage, wie es denn im Fall von neuen Aufnahmen mit den Widersprüchen (werden nach Bearbeitung gelöscht) aussehen würde:
Zu den Updates: Gute Frage. Soweit ich Stefan Keuchel verstanden habe (ich letztens für meine FAS-Kolumne kurz mit ihm telefoniert) sind erst einmal keine Updates geplant. Da allerdings wohl auch die Widerspruchsanträge gelöscht werden, spätestens “im Rahmen der gesetzlichen Verjährung etwaiger Ansprüche”, müssten die Anträge wohl neu gestellt werden.
Punkt 2: Google hat die Bilder für Street View Deutschland längst im Kasten. Die wurden nämlich schon im Sommer 2008 und 2009 gemacht. Und das nicht nur für die 20 Städte, die wir schon jetzt auf Street View sehen können, sondern auch für den Rest der Republik (Der ein oder andere wird sich erinnern, ein Bekannter von mir hat in der heimatlichen Provinz damals gar ein Foto geschossen …).
Punkt 3: Bleibt die Frage, wann wir denn nun mit der Veröffentlichung weiterer Städte rechnen dürfen. Und da ist es tatsächlich so, wie McGee schreibt: Es gibt zur Zeit einfach keine konkreten Pläne, wann weiteres Material aus Deutschland veröffentlicht wird. Das hat mir Google-Sprecherin Lena Wagner gerade noch einmal telefonisch bestätigt. Kein Rückzug, kein Stopp, einfach keine konkrete Pläne. Und somit eigentlich keine News.
War’s das? Fast. Kaum weniger missverständlich als McGee’s Blogeintrag ist nämlich eine Meldung im Newsbereich von T‑Online, die in den letzten Wochen die Runde durch das Netz gemacht hat. Dort hieß es bereits am 23.03.:
Google hat den Ausbau von Street View in Deutschland gestoppt. „Weitere Städte in Google Street View aufzunehmen, ist nicht geplant“, erklärte die Pressestelle von Google Deutschland auf Anfrage von t‑online.de. Eine Aktualisierung der teilweise veralteten Bilder gebe es auch nicht. Das vorhandene Material „bleibt auf altem Stand“. Die Daten der Kamerawagen, die in diesen Tagen durch die Straßen fahren, „dienen der Verbesserung des Kartenmaterials“, zum Beispiel für Google Maps oder für das eigene Angebot an Navigationsdiensten.
Die Aussage, dass Google den Ausbau gestoppt habe, ist einfach falsch, mindestens aber missverständlich. Es gibt, wie gesagt, derzeit keine konkreten Pläne, wann/ob neues Material erscheinen soll. Dass das Material „auf dem alten Stand“ bleibt, ist, siehe oben, ebenfalls keine „News“.
Interessant ist allenfalls noch der Hinweis, dass derzeit (bzw. vor 3 Wochen) Kamerawagen „zur Verbesserung des Kartenmaterials“ durch Deutschland fahren (Ihr ahnt es: Auch das ist keine News …). Die hat übrigens auch McGee am Wickel:
A Google spokesperson says the company’s priorities have changed:
Our business priority is to use our Google cars to collect data such as street names and road signs to improve our basic maps for our users in a similar way that other mapping companies do.
Auch hier: Der Kommentar, dass sich die Prioritäten geändert haben, ist im Kontext wenigstens missverständlich. Richtig ist, dass Google derzeit unterwegs ist (bzw. war), um Daten für Google Maps zu sammeln. Auch das war bekannt. Raphael Leiteritz, Produkt Manager Google Maps, hat die Fahrten im Januar in einem Blogbeitrag angekündigt. Bei diesen Touren werden allerdings weder WLAN-Netze kartiert (Die WLAN-Scanner wurden ausgebaut), noch dienen sie dazu veraltetes Bildmaterial zu aktualisieren. Kurz: Alles ist gut.
PS: Letzte Woche ist die Informationsseite zu Microsofts Konkurrenzangebot Streetside gestartet. Microsoft will auf seinen Kamerafahrten auch WLAN-Netze scannen:
Zur Verbesserung der Dienste, die Geolokalisierung einsetzen, wird Microsoft Daten von verfügbaren Funknetzen erheben. Im Rahmen dieser Erhebung werden ausschließlich Daten wie BSSID (auch MAC Adresse genannt), die Signal-Stärke und der Funktyp des WLAN gesammelt.
Aber hee, keine Sorge:
EXPLIZIT VON DER ERFASSUNG AUSGESCHLOSSEN sind Andere andere Daten von Funknetzen, die Rückschlüsse auf private Informationen Einzelner ermöglichen könnten, wie über offene Funknetze übertragene Daten, Verschlüsselungstypen von WLAN-Netzen sowie SSID (Name des WLAN-Netzes).
Nun, von der Erfasssung werden sich diese Daten wohl kaum ausschließen lassen, hoffentlich aber von einer (dauerhaften) Speicherung.
Siehe auch: Google: Kein Stopp von Street View in Deutschland (heise online, 11.04.)