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Deep Packet Inspection in der Diskussion

Die relativ neue DPI-Technologie , mit der die ISPs in Echtzeit in unseren Internet-Traffic reinschauen und die Paktete anhand des Inhalts zensieren, bremsen, an die NSA weiterleiten oder andere Sachen damit machen können, gerät langsam aber sicher in die öffentliche Debatte. Im Kern geht es hier um eine potenziell disruptive Technologie, die die Grundlage für…

  • Ralf Bendrath

Die relativ neue DPI-Technologie , mit der die ISPs in Echtzeit in unseren Internet-Traffic reinschauen und die Paktete anhand des Inhalts zensieren, bremsen, an die NSA weiterleiten oder andere Sachen damit machen können, gerät langsam aber sicher in die öffentliche Debatte. Im Kern geht es hier um eine potenziell disruptive Technologie, die die Grundlage für viele Debatten über Internet-Filter, Netzneutralität, Peer-to-Peer-Traffic, Echtzeit-Überwachung, verhaltensbasierte Werbung und vieles mehr ist. Auf breiter Fläche installiert würde sie das Grundmodell des Internet – dass die Protokoll-Schichten klar getrennt sind und auf TCP/IP-Ebene nur die Endpunkte entscheiden, was sie mit den Daten anfangen („End-to-End-Principle“ ), untergraben. Allerdings gibt es auch legitime DPI-Anwendungen, etwa im Bereich der Firewalls, und das Problem, dass bisherige Ansätze wie Congestion Management an den TCP-Endpunkten oder Active Queue Management auf Router-Ebene mit „unfair“ Bandbreite verschlingenden Anwendungen nicht umgehen können, wird auch schon in der IETF diskutiert .

Soweit, so technisch. Langsam werden aber auch die politischen Implikationen von DPI stärker in der Öffentlichkeit thematisiert. Beim Deutschlandfunk gibt es dazu gerade ein kurzes Feature , zu dem ich auch interviewt worden bin (hier die mp3 ), Ars Technica hat aktuell einen schönen Artikel zur DPI-Debatte in den USA , der bereits kräftig die Runde macht , und bereits letztes Jahr wurden z.B. in der Washington Post die wichtigen Fragen dazu gestellt . Für die SIGINT in Köln Ende Mai scheint das Interesse an dem Thema auf Veranstalterseite auch groß zu sein. Ich habe daher dort einen Vortrag eingereicht, der auf meinen kürzlich vorgestellten ersten Forschungsergebnissen basiert.

Leider gibt es zu DPI bisher kaum politikwissenschaftliche, juristische oder ähnliche sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung. Ich habe daher mal eine kleine Leseliste zusammengestellt und einige Forschungsperspektiven angerissen . Wenn sich ein paar Leute melden, die dazu aus akademischer Sicht etwas beitragen können, würde ich zusammen mit zwei Kollegen, die auch an dem Thema dran sind, gern einen Workshop oder eine Konferenz organisieren. Meldungen bitte in die Kommentare hier oder unter der Leseliste, oder per Mail direkt an mich (r punkt bendrath at tudelft punkt nl).

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


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15 Kommentare zu „Deep Packet Inspection in der Diskussion“


  1. Stephan

    ,

    Ich hatte 2006 – glaube ich -, als das Thema zum ersten Mal im Zusammenhang mit den QoS- und net neutrality-Debatten in den USA hochkam, einen ersten Ansatz zur verfassungsrechtlichen Bewertung vorbereitet. Später aber wieder fallen gelassen, weil es mir zu offensichtlich ein Eingriff in das Fernmeldegeheimnis war. Wenn man sich jetzt umschaut, was da derzeit diskutiert wird, ist es sicherlich an der Zeit, da aktiver dran zu arbeiten – bei einem Workshop o.Ä. bin ich gerne dabei. (Medienforscher/Jurist)


  2. […] Die relativ neue DPI-Technologie , mit der die ISPs in Echtzeit in unseren Internet-Traffic reinscha… […]


  3. DPI is at the core of the new legal concept „traffic management policies“ recently introduced by the Council in the Telecoms Package.

    If unchecked, business visions of the Internet as a cable-TV like Internet-on-demand will soon become Law for 500 million people. Language is all over the place referring to „concitional access“, which is the framework regulating cable-TV.

    We are very close to defining votes in the committies IMCO and ITRE in the European Parliament (March 31) and later the outcome will be presented for the Plenary in the second reading on April 21.

    Internet is not a mass communications medium, it is a one-to-one communications medium. The policy makers seem to be completely unaware of this fundamental difference.

    More information and thoughts on this here:
    http://opennetcoalition.laquadrature.net/index.php/Main_Page
    and here:
    http://www.iptegrity.com/index.php?option=com_content&task=view&id=281&Itemid=9


  4. […] und die Blockade von Computer-Viren gehören könnten. Ralf Bendrath möchte nun gerne die politikwissenschaftliche, juristische sowie sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung dieser Technologie beleuchten und sucht Mitstreiter. Er selbst wird aller Voraussicht nach auf der […]


  5. Zufall?…

    Ich hatte vor ein paar Tagen wieder Post von dem Informanten, der mir vor einiger Zeit das interne Papier aus dem Innenministerium geschickt hatte. Diesmal war es nur eine Seite mit der Frage „Zufall?“ und zwei Ausdrucken, in denen der.…..


  6. […] Internetüberwachung: DeepPacketInspect & co Zu den Kommentaren Es ist nicht neu, Versuche und Anregung, das Internet zu kontrollieren, überwachen und reglementieren gibt es schon seit langer Zeit, die Brecheisen-Methoden nehmen dabei immer mehr zu. Angesichts solcher Meldungen Deep Packet Inspection in der Diskussion […]


  7. […] Nun ist auch ein Artikel von Ralf Bendrat in deutscher Sprache zum Thema erschienen: Deep Packet Inspection in der Diskussion Die relativ neue DPI-Technologie , mit der die ISPs in Echtzeit in unseren Internet-Traffic […]


  8. […] die Links zum Interview mit Ralf Bendrathund ein Artikel zum Thema auf   netzpolitik.org Der Beitrag wurde am Samstag, den 25. April 2009 um 18:21 Uhr veröffentlicht und wurde […]


  9. […] user praktische) dinge nutzen. Hier gibt es Lesestoff und etwas zum anh


  10. Habe mich mal an einer rechtlichen Aufarbeitung des Themas „Deep Packet Inspection“ versucht. Danke an Herrn Bendrath für die Idee dazu!


  11. […] wurde Bedner übrigens von einem Beitrag hier bei netzpolitik.org. Das freut uns natürlich ganz besonders, daher ein fettes […]


  12. […] der gesendeten und empfangenen Datenpakete abhängig. Würde der Anbieter nun mit Verfahren wie Deep Packet Inspection (DPI) eine künstliche Schranke für bestimmte Daten einsetzen, hätte er faktisch die Kontrolle über […]


  13. […] Deep Packet Inspection in der Diskussion. […]


  14. […] Deep Packet Inspection in der Diskussion, This is the way the Internet ends: not with a bang, but […]

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