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Internetfilter und Sendezeiten: Phantasien zum Safer Internet Day

von simoncolumbus um 19:06 am Dienstag, 9. Februar 2010 | 28 Kommentare

Anlässlich des heutigen Safer Internet Days hat Kai Biermann für Zeit Online ein Twitter-Interview mit den Machern von Insafe geführt, die den Tag organisieren. Die Antworten sind ebenso erschreckend wie lächerlich. Nur einige Ausschnitte:

Der Einsatz von providerseitigen Filtern und Sperrungen kann ein wirksames Instrument des Jugendschutzes sein.

Zudem sind Sendezeitbegrenzungen ab 20 Uhr in einem zeiteinheitlichen Europa sehr sinnvoll.

Sperrungen können nicht umgangen werden, wie das Beispiel China zeigt.

Dazu kommt die Forderung nach Deep Packet Inspection, die “wesentlich wirkungsvoller” als die DNS-Sperren des “Zugangserschwerungsgesetzes” sei. Da verwundert es auch nicht, wenn es dann heißt:

Wir können die Diskussionen um Sperrungen in Deutschland nicht nachvollziehen.

Update von Markus: Kann gut sein, dass Zeit-Online hier einem Fake aufgesessen ist. Der Twitter-Account @sid_2010 existiert nicht mehr.

Kommentare

28 Kommentare zu “Internetfilter und Sendezeiten: Phantasien zum Safer Internet Day”

  1. GHad
    Feb 9th, 2010 @ 19:16

    Na dann wirds bald eine neue Software-Kategorie geben: den Web-Recorder mit zeitversetzem Aufnehmen ihrer Lieblingseiten.

    Aus der Beschreibung: Der Web-Recorder lässt sich einfach programmieren auch nach 20.00 Uhr komplette Webseiten zu speichern. Am nächsten Tag können Sie sich dann in Ruhe die heruntergeladenen Webseiten ansehen. Nur 1,99 € im AppStore

    Greetz,
    GHad

  2. geheim
    Feb 9th, 2010 @ 19:39

    Ein Twitter-Interview ist extrem peinlich für eine Zeitung wie die Zeit. Deren Journalisten sollten durchaus in der Lage sein, einfach mal bei den Veranstaltern anzurufen. So viel Geld für Telefongebühren sollten auch unsere geplagten Verleger noch haben.

  3. Armin
    Feb 9th, 2010 @ 19:48

    “Zudem sind Sendezeitbegrenzungen ab 20 Uhr in einem zeiteinheitlichen Europa sehr sinnvoll.”

    Huh?

    Habe ich da jetzt was verpasst und GMT ist abgeschafft und ich muss meine Uhr auf CET vorstellen?

    Und die Griechen muessen Ihre Uhren von EET auf CET zurueckdrehen?

    Da sind mindestens zwei Stunden Unterschied in der EU…

  4. x
    Feb 9th, 2010 @ 19:52

    Und die werden von der EU auch noch finanziell unterstützt?

  5. Die Safer-Internet-Fuzzis drehen ja ganz schön hohl bei Metronaut.de - Big Berlin Bullshit Blog
    Feb 9th, 2010 @ 20:05

    [...] China als positives Beispiel, Internetsperren, Deep Packet Inspection und dann auch noch “Öffnungszeiten” fürs Netz. Viel mehr repressiven Scheiss kann man nicht auf Lager haben. Das von der Eu geförderte Projekt Insafe fordert genau das – in einem Twitter-Interview mit der Zeit. (via) [...]

  6. Lorne
    Feb 9th, 2010 @ 20:06

    Wurde denen nicht die EU Gelder gestrichen?

  7. Tharben
    Feb 9th, 2010 @ 20:08

    Wow! Ich habe das zuerst für einen Scherz gehalten:

    * Filtern und Sperrungen kann ein wirksames Instrument [...] sein
    * Über Erfahrung im digitalen Jugendschutz verfügen [...] die Polizei
    * Sperrungen können nicht umgangen werden, wie das Beispiel China zeigt
    * große Fortschritte mit Sperrungen [...] Deutschland verhält sich hier technikfeindlich
    * Deep Packet Inspection ist wesentlich wirkungsvoller

    Kein Demokrat würde so reden. Aber offenbar ist das _kein_ Scherz. Da hat wirklich jemand ganz feute Kontroll- und Überwachungsfantasien. Ekelhaft!

    @geheim (#2)

    Wenn dabei solch klare Absichten zum Vorschein kommen, hat das Interview doch seinen Zweck mit Bravour erfüllt.

  8. K99
    Feb 9th, 2010 @ 20:48

    Ich schimpfe ja nur ungern über die Zeit, aber hier zeigt sich mal wieder sehr schön fehlgeleiteter Aktionismus der Kategorie “Medienkompetenz” ;-)

  9. derschlaefer
    Feb 9th, 2010 @ 20:48

    …und bei der Safer Internetday Konferenz “Sicherheit und Datenschutz im Netz – Wer trägt welche Verantwortung?” freute sich Gerd Billen vom VZBZ über De-Mail, E-Perso und die elektronische Gesundheitskarte…

  10. Tharben
    Feb 9th, 2010 @ 21:04

    @derschlaefer (#9)

    Ja, der Herr Billen vom vzbv war mir schon beim Datenschutzdialog des BMI unangenehm aufgefallen. Der sollte sich doch eigentlich _für_ Verbraucherinteressen einsetzen, nicht gegen sie. Komischer Mann.

  11. Jumper
    Feb 9th, 2010 @ 21:10

    Stellt euch mal vor, wir müssten Daten-CD’s mit Steuergeldern KAUFEN! Vorratsdatenspeicherung ist nur im Sinne des Bürgers…

    /ironie off

  12. Kand.in.Sky
    Feb 9th, 2010 @ 21:48

    Hab das Interview durch – Herr im Himmel!
    Wo nimmt man nur immer wieder solche Vollidioten her? Gibt es dafür eine extra Ausbildung, als Vollhonk?!?
    Unfassbar, einfach unfassbar!

    #k.

  13. K99
    Feb 9th, 2010 @ 21:55

    Das mit den GEZ-Gebühren ist mir erst jetzt aufgefallen. Für so etwas gehen die also auch drauf.

    Jetzt erst recht: GEZ-Boykott!

  14. bender
    Feb 9th, 2010 @ 22:40

    Das ist doch Satire. Muss es sein. Anders lassen sich so dämliche Ansichten nicht erklären. “Sendezeitbegrenzungen ab 20 Uhr”? “Internetsperren in China funktionieren”? Da erlaubt sich jemand einen Scherz.

  15. Partei Die Guten
    Feb 9th, 2010 @ 22:46

    “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.” – W. Ulbricht 15. Juni 1961

    https://die-guten-partei.de/index.php/seite/Pressemitteilung_09.02.2010_%E2%80%9EWer_aus_der_Geschichte_nicht_lernt%E2%80%9C_-_Zur_Novelle_des_Jugendmedienschutz-Staatsvertrags_(JMStV)_

    “Die aktuelle Vorlage zu Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV)ist eine in keinster Weise zu Ende gedachte Einführung der Zensur unter vorgeblich edlen Motiven, diesmal mit Jugendlichen statt Opfern von Kinderpornographie, setzt wiederholt auf Restriktionen statt Aufklärung, korrumpiert geltendes Recht und zementiert die Ära der Grundrechtsbeschneidungen, während das Thema Zensur komplett totgeschwiegen wird und man mittels vorgetäuschter Argumente immer wieder davon abzulenken versucht.”

  16. Tandem
    Feb 9th, 2010 @ 22:56

    @bender (14)
    Sendezeitbegrenzungen für das Internet sind in den geltenden Gesetzen bereits enthalten: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Sendezeitbegrenzung-fuer-Erotikseiten-im-Internet-greift-206230.html

  17. feanor
    Feb 9th, 2010 @ 23:17

    << Wir können die Diskussionen um Sperrungen in Deutschland nicht nachvollziehen.

    Ich glaube, Dieter Nuhr hat sich zu dem Thema mal geäußert…

  18. feanor
    Feb 10th, 2010 @ 0:09

    << Wir können die Diskussionen um Sperrungen in Deutschland nicht nachvollziehen.

    Dieter Nuhr hat sich zu dem Thema mal geäußert…

  19. Kai Biermann
    Feb 10th, 2010 @ 0:52

    @K99

    fehlgeleiteter Aktionismus? Warum? Interviews via Twitter haben Tücken und grobe Nachteile, aber einen entscheidenden Vorteil: Sie sind transparent.

    Wie sie an den Tweets sehen können, hat Insafe uns das Interview angeboten

    http://twitter.com/SID_2010/statuses/8818801662

    …und es dann von sich aus beendet, als ihnen die Fragen nicht mehr gefielen.

    http://twitter.com/SID_2010/statuses/8851298333

    Ich finde das interessant. Sie nicht?

  20. Aprpopos Zenªur « Peter Viehrig
    Feb 10th, 2010 @ 2:30

    [...] Darauf gestoßen bin ich hier bei netzpolitik.org. [...]

  21. Lennoberto
    Feb 10th, 2010 @ 5:10

    gab es da nicht zufällig ein zeit-plagiat von attac? wurde denn die identität, bzw die glaubwürdigkeit des interviepartners überprüft??
    sofern das bei einem twitterintervies überhuaupt möglich ist?
    wenn das kein hoax war ist das ende der demokratie wohl näher als ich dachte…

  22. André Wendt
    Feb 10th, 2010 @ 8:21

    Ich weiß gar nicht, warum hier auf Die Zeit geschimpft wird. Ein Twitter-Interview ist doch ziemlich clever, verglichen mit dem einem Telefonat. Endlich können Interviewpartner nicht mehr herumschwadronieren, sondern müssen in 140 Zeichen auf den Punkt kommen.

    Wäre das Interview anders entstanden, hätten wir sicher nicht so knackige Antworten bekommen. Jetzt wissen wir wenigstens, woran wir sind. Und was für ein kranker Haufen diese Initiative ist.

  23. Pflicht
    Feb 10th, 2010 @ 8:32

    Der ist wohl bei seiner Internet-Führerscheinprüfung durchgefallen^^

  24. KinNeko
    Feb 10th, 2010 @ 11:04

    Ich bezahle die GEZ-Gebühren für meine Internetbenutzung dafür, dass die einen Tag veranstalten, an dem sie den Politikern sagen, dass ich demnächst nur noch ab 22.00 Killerspiele spielen darf ?

    Wie heisst nochmal das Land, dass Leute hinrichtet und dann die Kugel den Angehörigen in Rechnung stellt ? ;)

    Ps.: Ich finde das nicht interessant, dass sie das Interview abgebrochen haben.. die Fragen waren halt zu einseitig und zu kritisch. Sie haben sich halt was anderes ausgedacht.

  25. Surig
    Feb 10th, 2010 @ 11:58

    Ein Dank an die Zeit für dieses Interview. Auch die Methode finde ich nicht sooo schlecht – jetzt kann sich der Interviewpartner nicht mehr heraus reden, daß er FÜR Zensur ist und anscheinend liebend gerne in China leben würde, wo das ja sooo toll funktioniert.
    Es muss nun massivst eine demokratischer Gegenpol entstehen, denn ICH will NICHT in China, Iran, oder der DDR wohnen!

  26. blogwürdig » Filter, Sperren und Sendezeitbegrenzung im Internet
    Feb 10th, 2010 @ 16:08

    [...] netzpolitik.org hat mich zu einem Twitterview der Zeit mit den Machern von von Insafe, einer europäischen Initiative, geführt. Dort wurden mal wieder folgende erschreckenden Ansichten geäußert: Der Einsatz von providerseitigen Filtern und Sperrungen kann ein wirksames Instrument des Jugendschutzes sein. Zudem sind Sendezeitbegrenzungen ab 20 Uhr in einem zeiteinheitlichen Europa sehr sinnvoll. In skandinavischen Ländern wurden große Fortschritte mit Sperrungen gemacht. Deutschland verhält sich hier technikfeindlich. Wie wir wissen, waren nur DNS-Sperren geplant. Deep Packet Inspection ist wesentlich wirkungsvoller. [...]

  27. johannes
    Feb 10th, 2010 @ 18:54

    Leute, Leute, Leute!

    Lest euch mal das Update am Ende des Artikels durch, und den Kommentar von Kai Biermann auf Kommentarseite 3. Möglicherweise ist dieses ganze “Interview” ein Fake.

    Aussagen wie “Sperrungen können nicht umgangen werden, wie das Beispiel China zeigt.” sind doch auch dermaßen taktisch unklug — nur ein äußerst dummer Sperrbefürworter würde sowas sagen.

  28. Michael
    Feb 10th, 2010 @ 22:34

    Ich hatte gestern auch schon einen Fake vermutet. Das war doch alles sehr plump. Auf den Insafe-Webseiten jedenfalls habe ich keine Hinweise auf einen Twitteraccount gefunden und die Webadresse, die im Twitterprofil genannt wurde, verwies auf eine Webseite, die nur mit Login zugänglich war. Die Domain wurde erst vor 2 Wochen registriert. Ich habe leider vergessen, wie die hieß.

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