Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) ist bekannt für seine Trollattacken rund um netzpolitische Themen wie Datenschutz. In der Regel laufen die Trollattacken so ab, dass man Forderungen stellt, die nur dadurch mediale Aufmerksamkeit erzielen, weil sie so vollkommen überzogen sind und/oder ein vermeintliches Tabu brechen. In der Regel meldet sich dann Wolfgang Bosbach (CDU) noch zu Wort und findet das alles prima und fordert, dass man härter gegen XYZ durchgreifen sollte. Soweit so gut.
Ich bin mir immer unsicher, ob man darüber noch berichten sollte, was der BDK wieder merkwürdiges fordert, weil man damit in der medialen Spirale mitspielt und Aufmerksamkeit auf Dinge lenkt, die eigentlich keine verdienen. Aber da der mediale Zug schon abgefahren ist und Wolfang Bosbach wahrscheinlich im Urlaub ist oder morgen erst im Kölner Stadt-Anzeiger dazu Stellung nimmt, sei hier nochmal auf die neueste Trollattacke verwiesen:
Nichts weniger als einen Reset-Knopf fürs Internet stellt man sich beim Bund Deutscher Krimainalbeamter vor, wie man der Neuen Osnabrücker Zeitung entnehmen kann. Für die Idee haben sie übrigens kein Copyright, das wurde mal schnell aus den USA kopiert, wo die Idee auch keine Mehrheit findet und der Präsident schon dankend abgelehnt hat, als der Vorschlag kam, ihm seine Befugnisse zu erweitern. Die Vorstellung der Polizei-Funktionäre vom Internet ist, dass man diesen Knopf drückt, wenn irgendwas schlimmes passiert – und Deutschland dann vom Netz ist (und die Polizei dann mit ihren Fahrzeugen zum Tatort fahren kann, um den Täter festzunehmen).
„Attacken auf die digitale Infrastruktur des Landes können sich ähnlich verheerend auswirken wie atomare Angriffe.“ Deshalb bedürfe es eines „Reset-Knopfs für das Internet“, mit dem das Kanzleramt Deutschland im Ernstfall sofort vom Netz nehmen könne. „Nur so lässt sich eine laufende Attacke schnell stoppen.“ In den USA würden derartige Kompetenzen für den Präsidenten derzeit im Senat beraten, betonte Jansen.
Klaus Jansen, zugleich Vorsitzender und Ober-Troll des BDK erklärte weiter in der Neuen Osnabrücker Zeitung seine Vorstellung des größten Tatorts der Welt:
Jansen forderte die Bundesregierung auf, endlich „Verkehrsregeln“ für das Internet zu schaffen: „Inzwischen steht das Gewaltmonopol des Staates auf dem Spiel.“ Das Internet habe sich zum größten Tatort der Welt entwickelt und die Bundesregierung verharre immer noch in der Zuschauerrolle. „Kompetenzgerangel, Unvermögen und Blauäugigkeit führen zu unfassbarem Politik-Versagen.“
Eigentlich schade, dass der Bund Deutscher Kriminalbeamter es nötig hat, durch seine rumtrollereien von sinnvollen Forderungen abzulenken, wie z.B. die Entwicklung eines neuen Berufsbildes namens „Computerkriminalist“. Etwas mehr Fachwissen können Polizisten in Internetfragen immer gebrauchen, wenn laut BDK nur 1% von 260.000 Polizisten fit fürs Internet ist. Das muss man sich mal vorstellen: Statt immer weiter Befugnisse auszubauen, die man mangels IT-kompetenter Polizisten womöglich gar nicht ausfüllen kann, brauchen wir dringend mal Medienkompetenz-Maßnahmen für Polizisten! Die Forderung findet sich in einem 15-Punkte Papier, was man an die Bundesinnenministerkonferenz weitergegeben hat. Und wo sich kein Rest-Knopf und auch kein verpflichtender Ausweis für Internetzugang findet.
Apropos Ausweispflicht im Netz:
„Was wir brauchen, ist ein verlässlicher Identitätsnachweis im Netz. Wer das Internet für Käufe, Online-Überweisungen, andere Rechtsgeschäfte oder Behördengänge nutzen will, sollte sich zuvor bei einer staatlichen Stelle registrieren lassen müssen.“
Wenn schon soviel Transparenz verlangt wird, wo ist denn die konsequente Forderung des Bund Deutscher Kriminalbeamter nach einer eindeutigen Authentifizierung für Polizisten durch eine eindeutige Identifikationsnummer auf Massenveranstaltungen, so dass man z.B. gegen prügelnde Polizisten besser vorgehen kann?