In der 3sat Mediathek findet sich ein Bericht zum EU-Überwachungsprojekt Indect. Bald schon könnte jeder im Internet Ziel einer Überwachung werden. „Indect“ heißt der Albtraum vom Polizeistaat. Die EU forscht an Programmen, die „abnormales Verhalten“ erkennen. Indect soll auf aggressive Stimmen und gewalttätige Mimik in Videos und Bildern reagieren. Wer im Netz auffällt, soll durch…
In der 3sat Mediathek findet sich ein Bericht zum EU-Überwachungsprojekt Indect.
Bald schon könnte jeder im Internet Ziel einer Überwachung werden. „Indect“ heißt der Albtraum vom Polizeistaat. Die EU forscht an Programmen, die „abnormales Verhalten“ erkennen. Indect soll auf aggressive Stimmen und gewalttätige Mimik in Videos und Bildern reagieren. Wer im Netz auffällt, soll durch die Verknüpfung mit Überwachungskameras, Handy-Ortung und unbemannten, vernetzten Flugzeugen auch im öffentlichen Raum flächendeckend ausspioniert werden können.
. Update: Dank an „infotisch audimax“ für den YouTube-Link:
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Dipl.-Psych. Linus Neumann war seit 2010 mehrere Jahre Mitglied der Netzpolitik-Redaktion und ist einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs.
Zusammen mit Tim Pritlove macht er den wöchentlichen Podcast Logbuch:Netzpolitik.
Er arbeitet in Berlin bei einem Unternehmen im Bereich der IT-Sicherheit.
Ab und an twittert er ein bisschen Unsinn. Per E-Mail erreicht man ihn hier.
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19 Kommentare zu „3sat Kulturzeit: Big Brother 2.0“
für was diese deppen alles geld haben. und in unserem kindergarten müssen die eltern die räume streichen, weil kein geld da ist.
man sollte sie alle so in den ars.h treten, dass ihnen das überwachen der bevölkerung endgültig vermiest ist.
welcher politiker sitzt den da in den gremien der beteiligten firmen und kassiert kräftig mit? wäre ein fall für wikileaks.
Andreas
,
Wenn man sich vergegenwärtig wie umfassend INDECT werden soll, dürfte inzwischen auch klar sein, was einer von mehreren Gründen sein könnte dafür daß man auf EU-Ebene jetzt wohl doch an der Vorratsdatenspeicherung festhalten will. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann wäre die VDS in so einem Überwachungssystem ein unverzichtbarer Bestandteil.
[…] Schöne Aussichten in der Bananenrepublik EU. [netzpolitik.org] […]
jonny
,
wenig hoffnung habe ich eh nicht. wenn man sich anschaut, wie geduldig die väter die HADOPI-strafen in frankreich schön brav überweisen.…
SWIFT,ELENA,ePers,ACTA,websperren,VDS,QTKÜ…hab ich was vergessen? egal.….läuft alles in eine richtung. nur dass ich das noch mit meinen steuergeldern finanziere, kotz mich dermassen an.
aber ich bin normalverdiener und mich würden sie in der schweiz oder leichtenstein nach dem puls fragen, wenn ich dort vorstellig werde.
jonny
,
„hoffnung habe ich eh nicht.“ soll das natürlich heissen.…..
Auffälliges Verhalten in der Öffentlichkeit erkennen? Ist das möglich? Muss man jetzt immer vorsichtig sein, dass man sich nicht auffällig verhält? Oder wird gerade das durch eine solche Ankündigung gerade bezweckt?
… Vielleicht wäre es auch besser, das genaue Gegenteil zu machen: einen allgemeinen Aufruf zu auffälligem Verhalten in der Öffentlichkeit — damit das Erkennen nicht möglich wird!
Andreas
,
@akf
Das ist doch genau der Punkt: „auffälliges Verhalten“, was ist das schon? Wie soll man das definieren? Und: selbst wenn man es halbwegs schlüssig definiert (wobei ich bezweifle daß das möglich ist), kann man es so in Tracking‑, Pattern Matching- und sonstige Algorithmen übersetzen, daß „verdächtiges“ wirklich trennscharf von „unverdächtigem“ Verhalten unterschieden wird?
Das schlimme daran sind die hiermit verbundenen „Chilling Effects“ in der Bevölkerung. Der Normalbürger wird sich überall dort wo er dann überwacht wird (öffentlicher Straßenraum, Internet, Telefongespräche, E‑Mail-Verkehr etc etc) ständig denken „tu jetzt nix was dich verdächtig macht“. Man hat sozusagen ständig das Gefühl, nicht nur überwacht zu werden, sondern muß auch Angst haben, daß Computersysteme einem verdächtiges Verhalten „andichten“. Kam es bei der Vorratsdatenspeicherung noch auf menschliches Ermessen an bei der Auswertung von Datensätzen, überlässt man die Vorentscheidung darüber dann nur noch Maschinen. Was in gewisser Weise sogar noch schlimmer ist als die DDR in ihrer Endzeit, wo, wie man damals gemunkelt hat, hinter jedem Bürger je ein IM stand der ihm über die Schulter geschaut hat.
Soweit mir bekannt, findet sich das Chilling Effects-Argument sogar in der Begründung des BVerfG zum Vorratsdatenspeicherungs-Urteil, wo ausdrücklich darauf hingewiesen wird daß durch eine ständige Speicherung elektronischer Verkehrsdaten beim Bürger das Gefühl der permanenten Überwachung aufkommt.
INDECT wäre gewissermaßen eine Vorratsdatenspeicherung auf Speed, eine gigantische Überwachungs- und Einschüchterungsmaschinerie, die noch 100x schlimmer wäre, auch und gerade in ihren chilling effects, als es die VDS bereits war. Ein vollautomatisierter Blockwart.
jonny
,
und genau deswegen sollte man ihnen ihren indect so lange um die ohren hauen, bis sie abfallen.
@Andreas Genau deswegen meinte ich das mit dem allgemeinen Aufruf zu auffälligem Verhalten durchaus ernst. Das funktioniert leider nur, wenn viele dabei mitmachen. Zu versuchen sich bewusst unauffällig zu verhalten, ist schwierig. Sich bewusst auffällig zu verhalten, kann hingegen richtig Spaß machen.
Auffälliges Verhalten heißt dabei aber nicht einfach nur wild rumtanzen (obwohl das sicher auch Spaß macht). Sondern lasst mal euer Gepäck etwas stehen, schaut euch verstohlen um, beobachtet mal Leute über einen gewissen Zeitraum — man kann sich auch absprechen, sich zu verfolgen, oder spielt mit euren Kindern „Spion gegen Spion“ auf öffentlichen Plätzen…
Ziel ist natürlich nicht Verbrechen zu vertuschen, sondern den Aufbau von Überwachungsmaßnahmen zu vereiteln.
pansy_tidwell
,
Tjanün… Passenderweise ist das Originalvideo aus „rechtlichen Gründen“ (lt. @3sat twitter) auch schon wieder aus der offiziellen 3sat-Mediathek entfernt. ZAP!
„INDECT is a research project. The list of objectives DOES NOT include ANY kind of global monitoring of ANY society.
The INDECT methodology imposes:
1. First, detecting specific crimes [Liste von Straftaten] and, only then,
2. Second, detecting specific criminals standing behind the detected crimes.“
Allerdings irgendwelche unaufgeklärten Straftaten liegen doch immer vor, man wäre also ständig damit beschäftigt mittels des Systems Täter zu suchen. Außerdem könnte man argumentieren, dass die negativen psychologischen Effekte ubiquitärer Überwachungssysteme mit zentraler Datenauswertung auch dann auftreten, wenn diese nicht ständig aktiviert sind, denn das ist für den Bürger ja nicht so einfach ersichtlich.
Bastian
,
@akf
Oder auf der Straße die Leute ansprechen:
Hallo ich bin von Indect.
Ich habe ein paar persönliche Fragen an sie…
Ergänzungen
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19 Kommentare zu „3sat Kulturzeit: Big Brother 2.0“
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Youtube Version vom kulturzeit beitrag http://www.youtube.com/watch?v=yuu1J9Cs2Fk
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für was diese deppen alles geld haben. und in unserem kindergarten müssen die eltern die räume streichen, weil kein geld da ist.
man sollte sie alle so in den ars.h treten, dass ihnen das überwachen der bevölkerung endgültig vermiest ist.
welcher politiker sitzt den da in den gremien der beteiligten firmen und kassiert kräftig mit? wäre ein fall für wikileaks.
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Wenn man sich vergegenwärtig wie umfassend INDECT werden soll, dürfte inzwischen auch klar sein, was einer von mehreren Gründen sein könnte dafür daß man auf EU-Ebene jetzt wohl doch an der Vorratsdatenspeicherung festhalten will. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann wäre die VDS in so einem Überwachungssystem ein unverzichtbarer Bestandteil.
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[…] Schöne Aussichten in der Bananenrepublik EU. [netzpolitik.org] […]
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wenig hoffnung habe ich eh nicht. wenn man sich anschaut, wie geduldig die väter die HADOPI-strafen in frankreich schön brav überweisen.…
SWIFT,ELENA,ePers,ACTA,websperren,VDS,QTKÜ…hab ich was vergessen? egal.….läuft alles in eine richtung. nur dass ich das noch mit meinen steuergeldern finanziere, kotz mich dermassen an.
aber ich bin normalverdiener und mich würden sie in der schweiz oder leichtenstein nach dem puls fragen, wenn ich dort vorstellig werde.
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„hoffnung habe ich eh nicht.“ soll das natürlich heissen.…..
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Auffälliges Verhalten in der Öffentlichkeit erkennen? Ist das möglich? Muss man jetzt immer vorsichtig sein, dass man sich nicht auffällig verhält? Oder wird gerade das durch eine solche Ankündigung gerade bezweckt?
… Vielleicht wäre es auch besser, das genaue Gegenteil zu machen: einen allgemeinen Aufruf zu auffälligem Verhalten in der Öffentlichkeit — damit das Erkennen nicht möglich wird!
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@akf
Das ist doch genau der Punkt: „auffälliges Verhalten“, was ist das schon? Wie soll man das definieren? Und: selbst wenn man es halbwegs schlüssig definiert (wobei ich bezweifle daß das möglich ist), kann man es so in Tracking‑, Pattern Matching- und sonstige Algorithmen übersetzen, daß „verdächtiges“ wirklich trennscharf von „unverdächtigem“ Verhalten unterschieden wird?
Das schlimme daran sind die hiermit verbundenen „Chilling Effects“ in der Bevölkerung. Der Normalbürger wird sich überall dort wo er dann überwacht wird (öffentlicher Straßenraum, Internet, Telefongespräche, E‑Mail-Verkehr etc etc) ständig denken „tu jetzt nix was dich verdächtig macht“. Man hat sozusagen ständig das Gefühl, nicht nur überwacht zu werden, sondern muß auch Angst haben, daß Computersysteme einem verdächtiges Verhalten „andichten“. Kam es bei der Vorratsdatenspeicherung noch auf menschliches Ermessen an bei der Auswertung von Datensätzen, überlässt man die Vorentscheidung darüber dann nur noch Maschinen. Was in gewisser Weise sogar noch schlimmer ist als die DDR in ihrer Endzeit, wo, wie man damals gemunkelt hat, hinter jedem Bürger je ein IM stand der ihm über die Schulter geschaut hat.
Soweit mir bekannt, findet sich das Chilling Effects-Argument sogar in der Begründung des BVerfG zum Vorratsdatenspeicherungs-Urteil, wo ausdrücklich darauf hingewiesen wird daß durch eine ständige Speicherung elektronischer Verkehrsdaten beim Bürger das Gefühl der permanenten Überwachung aufkommt.
INDECT wäre gewissermaßen eine Vorratsdatenspeicherung auf Speed, eine gigantische Überwachungs- und Einschüchterungsmaschinerie, die noch 100x schlimmer wäre, auch und gerade in ihren chilling effects, als es die VDS bereits war. Ein vollautomatisierter Blockwart.
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und genau deswegen sollte man ihnen ihren indect so lange um die ohren hauen, bis sie abfallen.
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[…] Via netzpolitik.org. […]
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@Andreas Genau deswegen meinte ich das mit dem allgemeinen Aufruf zu auffälligem Verhalten durchaus ernst. Das funktioniert leider nur, wenn viele dabei mitmachen. Zu versuchen sich bewusst unauffällig zu verhalten, ist schwierig. Sich bewusst auffällig zu verhalten, kann hingegen richtig Spaß machen.
Auffälliges Verhalten heißt dabei aber nicht einfach nur wild rumtanzen (obwohl das sicher auch Spaß macht). Sondern lasst mal euer Gepäck etwas stehen, schaut euch verstohlen um, beobachtet mal Leute über einen gewissen Zeitraum — man kann sich auch absprechen, sich zu verfolgen, oder spielt mit euren Kindern „Spion gegen Spion“ auf öffentlichen Plätzen…
Ziel ist natürlich nicht Verbrechen zu vertuschen, sondern den Aufbau von Überwachungsmaßnahmen zu vereiteln.
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Tjanün… Passenderweise ist das Originalvideo aus „rechtlichen Gründen“ (lt. @3sat twitter) auch schon wieder aus der offiziellen 3sat-Mediathek entfernt. ZAP!
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[…] via http://www.netzpolitik.org […]
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Interessant ist ja, wenn man sich mal die Rechtfertigung auf der INDECT-Webseite ansieht:
http://www.indect-project.eu/
„INDECT is a research project. The list of objectives DOES NOT include ANY kind of global monitoring of ANY society.
The INDECT methodology imposes:
1. First, detecting specific crimes [Liste von Straftaten] and, only then,
2. Second, detecting specific criminals standing behind the detected crimes.“
Allerdings irgendwelche unaufgeklärten Straftaten liegen doch immer vor, man wäre also ständig damit beschäftigt mittels des Systems Täter zu suchen. Außerdem könnte man argumentieren, dass die negativen psychologischen Effekte ubiquitärer Überwachungssysteme mit zentraler Datenauswertung auch dann auftreten, wenn diese nicht ständig aktiviert sind, denn das ist für den Bürger ja nicht so einfach ersichtlich.
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@akf
Oder auf der Straße die Leute ansprechen:
Hallo ich bin von Indect.
Ich habe ein paar persönliche Fragen an sie…
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Weiteres gab es dazu auch auf dem 27C3:
http://mirror.fem-net.de/CCC/27C3/mp4-h264-HQ/27c3-4237-en-indect_eu_surveillance_project.mp4
Interessant, wie der Forscher aus Polen es mit seiner Wissenschaftlichen Verantwortung hält.
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[…] http://www.netzpolitik.org/2011/3sat-kulturzeit-big-brother‑2–0/ […]
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Hallo,
vielen Dank für Deinen Beitrag zum Thema INDECT!
Weitere Informationen sind auf folgender Website erhältlich:
http://www.stopp-indect.info
Viele Grüße,
Roland Albert
_________________________________
INDECT Koordinator
Piratenpartei Deutschland
INDECT Coordinator
Pirate Party Germany
e: roland (dot) albert (at) piratenpartei (dot) de
t: twitter.com/stoppINDECT
http://www.stopp-indect.info
_________________________________
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[…] netzpolitik.org. … interessante Fakten zum EU-Projekt »Indect« aus der gestrigen »Kulturzeit« auf 3sat: Bald […]
Dieser Artikel ist älter als 15 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.