Ich glaube, ich habe das schon einmal gefragt, aber: Sagt mal, liebe SPD, was läuft da eigentlich falsch bei Euch?
Erst fordert Sigmar Gabriel „mit Blick“ auf die Tötung des Qaida-Chefs Osama Bin Laden die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, nun legt der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) laut einer Vorabmeldung aus dem Spiegel nach.
Bei der nächsten Innenministerkonferenz im Juni werde Nordrhein-Westfalen einen Vorschlag unterbreiten, wie „künftig eine Mindestdatenspeicherung geregelt werden kann, ohne dass die Menschen Sorge haben müssen, ausgespäht zu werden“, so Jäger. Im Düsseldorfer Innenministerium wird unter anderem darüber nachgedacht, die Telekommunikationsfirmen zu verpflichten, ein halbes Jahr lang wichtige Nutzerdaten wie die sogenannte IP-Adresse, die Portnummer und die Zugangszeit aufzubewahren.
Als Begründung wurde der Textbaustein „Schwerstkriminalität und Terrorismus“ verwendet. Und ja, 6 Monate allen Ernstes als „Mindestdatenspeicherung“ zu bezeichnen, ist wirklich herzallerliebst. Was ich mich – oder vielmehr die mitlesenden Genossen – frage: Bringst das was, die Union rechts zu überholen?
Update, 18:40 Uhr: Der Koalitionspartner ist anderer Meinung:
Die Grünen sehen momentan keinen Handlungsbedarf. […] Aus grüner Sicht wäre eine „verdachtsunabhängige Speicherung“ ein „unverhältnismäßiger Eingriff in Persönlichkeitsrechte“, sagte die Innenexpertin der Grünen. Denkbar sei, beim Verdacht auf schwere Straftaten „anlassbezogen“ Daten zu speichern, fügte Düker hinzu.
Update, 19:05 Uhr: BKA-Chef Ziercke hingegen … nun, kann man sich ja denken:
Die Ermittlungen gegen die Düsseldorfer Zelle seien wegen der fehlenden Speicherpflicht beinahe schiefgegangen, sagte Ziercke. […] „Der Provider war kurz davor, die zur IP-Adresse zugehörigen Daten zu löschen. Einen Tag später, und die Spur wäre tot gewesen.“
Update, 02:25 Uhr: Ralf Jäger ist Wiederholungstäter, bereits vor 3 Wochen hat er gegenüber der Rheinischen Zeitung ein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung gefordert:
Bundesinnenminister und Bundesjustizministerin müssten endlich einen verfassungskonformen Gesetzentwurf vorlegen, betonte der NRW-Innenminister. Bei der Vorratsdatenspeicherung geht es laut Jäger nicht um Inhalte von Gesprächen, sondern um die Verbindungsdaten: „Wann hat wer mit wem telefoniert oder gemailt? Über welchen E‑Mail-Account?“