In der (gedruckten) FAZ findet sich heute auf Seite 20 8 ein Gastbeitrag von Dr. Hans Peter Uhl zum Thema Internetsperren: „Was gelöscht werden muss, ist zu sperren“. Der CSU-Politiker wärmt darin ein paar Argumente aus der Mottenkiste wieder auf (50000 geblockte Zugriffe in Schweden, täglich …) und sekundiert den Vorstoß von EU-Kommissarin Cecilia Malmström („Der aktuelle Richtlinienentwurf […] zeichnet deswegen auch für die deutsche Diskussion den Weg vor.“).
Einen redaktionellen Kommentar, der Uhls fragwürdige Aussagen kritisch begleitet, gibt es leider nicht. Ebenso wenig wie eine Möglichkeit, den Gastbeitrag frei im FAZ.net abzurufen. Freundlicherweise hat Uhl seinen Text auch auf seiner eigenen Webseite veröffentlicht. Anbei meine beiden Lieblingspassagen (zumindest nach dem ersten Querlesen).
Zu den Standorten der Server, wo Kinderpornographie gehostet wird:
Zwar handelt es sich bei den fraglichen Ländern regelmäßig um hochentwickelte Industrienationen;
Wir sehen, der Mann liest mit …
trotzdem vergehen wegen der verschiedenen Rechtssysteme und Verwaltungsstrukturen oft Tage oder Wochen zwischen Anzeige und Löschung.
… allein, die Schlußfolgerungen sind, wie soll ich sagen, etwas eigenwillig:
In dieser Zeit werden die rechtswidrigen Inhalte tausendfach kopiert, um sie an anderer Stelle von neuem zugänglich zu machen.
Böse Zungen behaupten ja, dass die Zeit zwischen Anzeige/Sperrung und Löschung in hochentwickelte Industrienationen genutzt wird, um Fallzahlen zu generieren und IP-Adressen von bzw. Erkenntnisse über Konsumenten zu sammeln, die die Sperren umgehen (Honeypot-Modell). Aber das ist sicher nur ein böses Gerücht.
Zu den Motivation der KP-Konsumenten (siehe auch: David Klein: Der Strafbarkeit begründende Verstand):
Ein erheblicher Teil derer, die „mal so“ nach Kinderpornographie suchen, verfügt nicht über ausreichende technische Kenntnisse oder kriminelle Energie, um eine Internetsperre zu umgehen. Der „Gelegenheitspädophile“ wird hier seinen Versuch abbrechen.
Ja, da hat jemand wirklich gar nichts verstanden. Ja, da steht wirklich „Gelegenheitspädophile“. Ich knabbere dann mal weiter an meinem Beissholz. Trotzdem schönes Wochenende!